Chefarzt Uwe Vieweg hat Körper und Seele im Blick, wenn er die Patienten behandelt. Foto: Michael Matejka

Rückenprobleme sind in der Bevölkerung weit verbreitet. Privatdozent Dr. Uwe Vieweg, Chefarzt an der Klinik für chirurgische und konservative Wirbelsäulentherapie am Krankenhaus Rummelsberg, behandelt regelmäßig Bandscheiben-Erkrankungen. Er plädiert dafür, die Patienten aktiv in den Heilungsprozess einzubinden. Welche Möglichkeiten es heute bei der Behandlung von starken Rückenbeschwerden gibt, erläutert er im Interview.

sechs+sechzig: Rund 200 Bandscheibenoperationen werden jährlich in den Rummelsberger Kliniken durchgeführt. Das klingt wenig. Stimmt es also nicht, dass zu schnell operiert wird?
Uwe Vieweg: Davon kann man ausgehen. Die fachlichen Standards sagen, dass ein Patient in der Regel vor dem Eingriff sechs Wochen vorbehandelt wird. Auch bei Notfällen bemühen wir uns darum, dies einzuhalten. Wenn aber neurologische Ausfälle auftreten oder es sich um große Bandscheibenvorfälle handelt – wenn zum Beispiel 50 Prozent des Spinalkanals eingeengt sind oder der Patient unter extremen Schmerzen leidet, die trotz Medikamenteneinnahme nicht aufhören – dann wird unverzüglich operiert. Hier sind wir aber schon bei den Ausnahmen. Insofern sind 200 Operationen im Jahr schon viel, weil die konservative Therapie vorgeschaltet ist.

Manche Operationen werden minimal-invasiv durchgeführt. Das klingt nach halb so schlimm. Stimmt das?
Ein minimal-invasiver Eingriff ist ein gut geplanter Hautschnitt. Durch diesen Schnitt werden mit Hilfe von hautspreizenden Retraktoren zum Beispiel kleine Röhrenstücke eingeführt; auch ein Mikroskop wird bei der OP hinzugezogen. Damit minimiert man die Komplikationen von OPs, reduziert die Verweildauer im Krankenhaus und erzielt schnellere Behandlungsergebnisse. Nichtsdestotrotz ist eine minimal-invasive OP ein einschneidender Eingriff an der Wirbelsäule. Jedoch muss man eines dazu sagen: Die OP-Methode ist nicht das Entscheidende. Vielmehr kommt es auf die anschließende Heilbehandlung an, auf die Kommunikation mit dem örtlichen Arzt und ähnliche Faktoren.

Es gibt häufiger Rückfälle nach Bandscheiben-OPs, als man denkt. Woran liegt das? Warum fällt es manchen Menschen so schwer, sich rückenschonend zu verhalten?
Es ist von Natur aus so, dass manche Menschen eine schwächere Rückenmuskulatur haben als andere. In 15 bis 20 Prozent der Fälle kommt es zu einem erneuten Bandscheibenvorfall. Wir sehen nur die Spitze des Eisbergs bei OPs. Viele Beschwerden werden konservativ behandelt. Die Lebensweise spielt hier eine wichtige Rolle.

Dann geben Sie uns doch bitte drei Tipps, wie man einen gesunden Rücken stärkt!
Mit einer ganz normalen, genussfreudigen Lebensführung. Stress können wir nicht verhindern, aber wir können die Art, wie wir damit umgehen, verändern. Dazu gehört es, rechtzeitig ins Bett zu gehen und auf die Psychohygiene zu achten, denn wir dürfen den Dualismus von Körper und Geist nicht vernachlässigen. Bei einer Wirbelsäulenerkrankung muss der psychische Background mit betrachtet werden. Anders gesagt: Das Kreuz mit dem Kreuz liegt in der Vielfältigkeit der Diagnostik und dem breiten Spektrum an Behandlungsmethoden. Die Kunst ist, das Richtige für den Patienten zu finden, es mit ihm abzustimmen und individuell anzupassen.

Fragen: Petra Nossek-Bock

Gesundheitsforum 2018:
Bandscheibenvorfall und Spinalkanalstenose; kostenfreier Vortrag mit Chefarzt PD Dr. Uwe Vieweg am 5. Mai von 10 bis 11.30 Uhr am Krankenhaus Rummelsberg

Kostenfreier Vortrag am 3. März im NOVINA Hotel Herzogenaurach zum Thema »Verschleiß der Lendenwirbelsäule« von 13 bis 14:30 Uhr