Glücklich kann sein, wer so viele Enkel hat, die sich um Opa kümmern. Foto: epd

Glücklich kann sein, wer so viele Enkel hat, die sich um Opa kümmern. Foto: epd

Wer arm ist stirbt früher. Dieser Satz ist Gemeingut in fast allen Betrachtungen zum Altern. Die Plausibilität dieses Gedankens scheint ja auch auf der Hand zu liegen: Weniger Knete, schlechtere Pflege, schlechtere Ernährung oder Wohnung. Mehr Knete bedeutet im guten Fall das Gegenteil. Geht man also nach dieser Faustregel und schaut sich die Zahl en des Bundesamts für Statistik an, müsste es den Alten in der Republik gut gehen: „Nur“ 17,3% waren von Altersarmut bedroht. Allerdings steigen die Zahlen derjenigen über 65, die von Armut bedroht sind, schreibt Bundesamt. In den nächsten 20 Jahren soll sich diese Zahl sogar vervielfachen, was angesichts von Minijobs und Phasen der Arbeitslosigkeit durchaus plausibel erscheint. Da scheinen sich gewaltige Veränderung anzukündigen.

Das zum Beispiel sehen die Zukunftsforscher Horst Opaschowski und Chrstian Hentschel und Mattias Bettermann in ihren Arbeiten ähnlich. In „So wollen wir leben. Die 10 Zukunftshoffnungen der Deutschen“, weist Horst Opschowski allerdings auf noch weitere Veränderungen hin:

  • Die Älteren setzten immer mehr auf Freundschaften, quasi als zweite oder Ersatzfamilie.
  • Dies sei realistisch, da es bis 2060 doppelt so viele 70-Jährige geben werde als Kinder. Damit sei die Pflege durch Angehörige, die heute zu über 60% zu Hause geleistet werde, als Auslaufmodell da.
  • Die Basis dieser Beziehungen sowohl zu den Jüngeren als auch zu den Freunden gestalte sich nach dem „do ut des-Prinzip“. D. h., ich gebe Dir, zum Beispiel spare ich für Dich oder leiste im Alter um die 60 Freiwillige Dienste, damit ich, wenn ich deine Hilfe brauche, diese auch bekomme.
  • Dass hier etliche Unwägbarkeiten eingebaut sind, sieht der Zukunftsforscher wohl: Freundschaften sind eben kein Familienersatz und ob „geliefert“ wird, steht auch nicht fest.
  • Gemischte Wohngemeinschaften könnten hier helfen, fordern aber sehr viel von den Beteiligten: hohe Sozialkompetenz, persönlich freundlicher Umgang und last but not least Gelassenheit und Humor (ein in Deutschland rarer Rohstoff).
  • Außerdem würden selbst lebenslange Freundschaften überfordert, da Pflege eine sehr hohe Hingabe erfordere, die nicht unbedingt mit den sich entwickelten Sozialcharakteren einhergehen.
  • Opaschowski plädiert deshalb genauso wie andere Forscher dafür eine Gesellschaft zu entwickeln, in der (auch stetige) Hilfeleistungen durch Verwandte, Freunde und Mitbewohner/innen zur Regel werden. Eingebettet in professionelle Hilfe, weil es ohne dies auch nicht geht (nahezu alle 80-Jährigen leiden an mehreren Krankheiten gleichzeitig).
  • Henschl und Bettermann sehen hingegen in altersgemischten Wohngemeinschaften eine Chance. Allerdings seien diese nicht unbedingt für die Mehrheit der Bevölkerung, da es doch einiger „Übung“ und Fähigkeiten bedürfen, die vor allem bei Männern eher seltener anzutreffen seien.

Horst W. Opaschowski, „So wollen wir leben. Die 10 Zukunftshoffnungen der Deutschen“

Christian Hentschel, Matthias Bettermann,Alt – Krank – Blank? Worauf es im Alter wirklich ankommt“.