Die Hauptfiguren von »Die alten Knacker« sind so anarchistisch, unkorrekt, körperlich zwar gebrechlich, doch emotional auf Tempo 100, dass es eine Freude ist. In Deutschland, wo man soziale Altersbilder entweder als strotzende »Best-Ager« oder als hilflose Demente entwirft, passt das irgendwie nicht ins Konzept.
Im Comic stehen Antoine, Pierrot und Mimile als alte Freunde nach der Beerdigung von Antoines Frau vor einer Herausforderung. Denn Antoine, ein Gewerkschafts-Urgestein, ist mit seinem Gewehr losgezogen, um seinen ehemaligen Arbeitgeber umzubringen. Ihm ist nämlich testamentarisch eröffnet worden, dass der ein – wenn auch sehr kurzes – Verhältnis mit seiner verblichenen Gattin hatte. Eifersucht ist ein ewig junges Gefühl. Doch der alte Kapitalist dämmert längst im großen Vergessen auf einem Grundstück in der Toskana.
Die hochschwangere Enkelin von Antoine spielt auch eine Rolle. Sie hält gleich der ganzen Generation ihres Großvaters vor, die schlimmste in der Geschichte der Menschheit zu sein, weil sie ihr Kind einer total verkorksten Welt aussetzen muss.
Gegenwart und Erinnerung vermengen sich in der Geschichte von Wilfrid Lupano. Die Kraft des Alters, seine Nostalgie und seine Melancholie vermischen sich zu ebenso anrührenden wie amüsanten Stimmungen. Und die fängt Zeichner Paul Cauuet in großartigen Landschaftspanoramen genauso ein wie in zuschnappenden Charakter-Karikaturen. Ein wirklich großes Comic-Vergnügen .
Herbert Heinzelmann
Wilfrid Lupano (Text), Paul Cauuet (Zeichnungen): »Die alten Knacker – Die übrig bleiben«. Splitter Verlag, Bielefeld 2015, 14,80 Euro.