Kein Wettertropfen entgeht ihm: Otto Mack zeichnet das Wetter für den Deutschen Wetterdienst auf.Foto: Cindric

Kein Wettertropfen entgeht ihm: Otto Mack zeichnet das Wetter für den Deutschen Wetterdienst auf.Foto: Cindric

»Wer rastet, der rostet«, sagt Mack, der bis zu seinem Ruhestand 1984 insgesamt 22 Jahre bei Siemens im Vertrieb tätig war. Zwölf Jahre saß der imposante Mann mit den wachen blauen Augen im Weisendorfer Gemeinderat, 18 Jahre war er im Kirchenvorstand der evangelischen Kirche, 21 Jahre sang er als aktives Mitglied im evangelischen Kirchenchor, 40 Jahre ist er aktiver Sänger im »Liederkranz«, 22 Jahre war er dessen 1. Vorsitzender und seit 2011 ist er dort Ehrenvorsitzender. Bis zum heutigen Tag ist Otto Mack Mitglied in sieben Vereinen. »Er ist eine Institution«, sagt Heinrich Süß, zweiter Bürgermeister des Marktes Weisendorf, in dem rund 6.500 Einwohner idyllisch zwischen Weihern wohnen. Bekannt, beliebt, hochdekoriert ist der vierfache Vater, sechsfache Großvater und Urgroßvater eines achtjährigen Mädchens dauernd unterwegs. Für seine langjährige ehrenamtliche Arbeit wurde Otto Mack schon 2001 die Bürgermedaille verliehen, erst kürzlich wurde er auch von Landrat Eberhard Irlinger ausgezeichnet.
Als der Deutsche Wetterdienst in Weisendorf einen Nachfolger für den verstorbenen ehrenamtlichen Wetterbeobachter suchte, war Mack gleich bereit. Denn bevor er bei Siemens landete, war er 14 Jahre lang als Gutsverwalter tätig. »Damals musste ich die Natur schon von Berufs wegen genau beobachten. Zusammen mit meiner Naturverbundenheit gab das den Ausschlag, das Ehrenamt zu übernehmen«, erklärt Mack.
Für den Deutschen Wetterdienst sind engagierte Mitarbeiter wie er Gold wert. »Wegen des Geldes macht es keiner«, sagt Iris Heinemann vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach. »Es gibt lediglich eine kleine monatliche Aufwandsentschädigung, und dafür wird hervorragende Arbeit geleistet«, sagt die Fachfrau anerkennend. Verlangt wird wirklich viel. Bei jedem Wetter müssen die Beobachter vor die Tür. Pünktlich, zuverlässig, jahrein, jahraus, Tag für Tag, auch am Wochenende selbstverständlich. Wer Urlaub machen möchte, hat für Ersatz zu sorgen. Andernfalls könnte der Deutsche Wetterdienst mit 180 hauptamtlichen Wetterwarten das weitverzweigte Messsystem mit bundesweit knapp 2000 Messstellen nicht aufrechterhalten. Mit weitreichenden Folgen für alle: für die Klimaforschung vor allem. Aber auch für versicherungsrelevante Schadensfeststellungen infolge etwa von Unwettern. Oder für Gutachtertätigkeiten, wie sie beispielsweise für den Straßenneubau gebraucht werden. Und natürlich für den Wetterbericht. Da sind einfach Fakten nötig, zum Beispiel die tägliche Niederschlagsmenge.
Um 7.50 Uhr in der Früh ist jetzt während der Sommerzeit die erste Messung fällig – im Winter endet die Nacht für die deutschlandweit 1800 ehrenamtlichen Beobachter bereits um 6.50 Uhr. »Dazu muss man an der Sache sehr interessiert sein«, räumt Iris Heinemann ein. »Es sind oft Landwirte«, berichtet sie. »Die meisten sind schon lange dabei. Meine dienstälteste Beobachterin hat als Kind angefangen – im Auftrag des Vaters. Inzwischen hält uns die Unterfränkin schon 60 Jahre die Treue.«
Otto Mack ist seit 27 Jahren mit von der Partie und hat akribisch Buch geführt. »Was Otto macht, macht er 100-prozentig«, sagt Gretl Mack. »Oder sogar 120-prozentig, und das wissen alle«, ergänzt die 85-jährige Ehefrau liebevoll-spöttisch. Seine Genauigkeit ist verblüffend. Wie war das Wetter – sagen wir mal – am 6. Juli 1986? Nach nicht mal fünf Minuten hat er die gewünschten Daten parat: »Wir hatten auffrischenden Wind bis in die Nacht und 3,41 Liter Niederschlag auf den Quadratmeter«, liest Otto Mack vor. Sämtliche selbst geschriebenen Wetter-Tagebücher hat er aufbewahrt, obwohl sie nach Ablauf von zehn Jahren vernichtet werden dürfen.
Seit November 2011 werden sämtliche Messdaten von den Beobachtern digital nach Offenbach zum DWD gemeldet. »Ich arbeite aber weiterhin konventionell und schreibe meine Listen«, sagt Otto Mack, »schließlich bin ich schon ein älterer Herr!« Allerdings einer, der noch immer keine Brille braucht. »Doch meine Schrift lässt nach«, bemerkt er selbstkritisch. Wie lange er das Wetteramt noch ausüben möchte? »Ich habe schon Interessenten für die Arbeit«, antwortet er ausweichend. In einem anderen Punkt äußert er sich entschiedener: »Ich bin nur Wetterbeobachter und kein Wetterfrosch oder Prophet!« Schade eigentlich. Ob der Sommer heiß und trocken wird oder feucht und kalt – das bleibt also weiter abzuwarten.
 
Text: Ute Fürböter
Fotos: Mile Cindric
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