Margarete “Gretel” Sieveking und ihr Sohn, der Dokumentarfilmer David Sieveking sind die Hauptpersonen in dem dokumentarischen Film: Vergiß mein nicht. Foto: Verleih

Geschichten über Eltern, die an Demenz erkranken, gibt es inzwischen einige. Dennoch unterscheidet sich “Vergiß mein nicht” von ihnen. Es handelt sich um eine ganz besonders intensive Geschichte. Denn der Sohn lernt die Mutter von einer völlig neuen Seite kennen. Es geht um die Zeit vor seiner Geburt, um eine Phase im Leben der Eltern, über die sie mit ihren Kindern normalerweise nicht sprechen. Hier ist der Film auch spannend. Der Zuschauer ist nicht nur mit der Leidensgeschichte von Gretel konfrontiert, sondern auch mit der Lebensgeschichte einer mutigen Frau. Ihr Engagement in den 60er Jahren hat eine politische Dimension, von der ihr Sohn gar nichts geahnt hat. Auch die Beziehung zum Vater, Gretels Mann verändert sich durch die Krankheit, aber noch mehr durch die intensive Auseinandersetzung des Sohns mit den Eltern.
Filmstart ist der 31. Jnauar.
Hier eine kurze Inhaltsangabe.
David zieht wieder zu Hause ein und übernimmt für einige Wochen die Pflege seiner demenzerkrankten Mutter Gretel, um seinen Vater Malte zu entlasten, der sich seit seiner Pension vor fünf Jahren um seine Frau kümmert. Während Malte in der Schweiz für ein paar Wochen neue Kraft tankt, versucht sich David als Pfleger seiner Mutter. Mit dem Einverständnis der Familie dokumentiert er seine Zeit mit Gretel: David ist plötzlich Sohn, Betreuer und Dokumentarfilmer in einer Person. Seine Gegenwart und die Anwesenheit des Filmteams wirken erfrischend auf die Mutter, die endlich wieder Eigeninitiative entwickelt und neue Lebensfreude zeigt. Trotz ihrer zeitlich wie örtlichen Orientierungslosigkeit bleibt Gretel heiter und gelassen: Sie hält sich für eine junge Frau und David für ihren Mann Malte.
David gelingt es, mit seiner verwirrten Mutter wunderbar lichte Momente zu erleben. Sie verliert ihr Gedächtnis, ihren Sinn fürs Sprechen, aber sie gewinnt etwas anderes: eine entwaffnende Ehrlichkeit und Unschuld, gepaart mit überraschendem Wortwitz und weiser Poesie.
Als David zusammen mit Gretel in die Schweiz fährt, um Malte aus seinen Ferien abzuholen, gewinnen seine Recherchen an Brisanz. Hier lebten seine Eltern in den 70er Jahren.
David begegnet alten Genossen und Weggefährten, erfährt pikante Geschichten aus dem Liebesleben seiner Eltern, von den Krisen ihrer „offenen Ehe“. Nun, am Ende ihrer mehr als 40-jährigen Beziehung, kommen sich Gretel und Malte so nah wie noch nie. Zum Hochzeitstag fährt das Paar nach Hamburg, wo ihre Liebe einst begann. Es wird ihre letzte gemeinsame Reise.
Aus Gretels Krankheit entsteht ein Neuanfang, und aus Davids biografischem Filmprojekt wird eine Liebeserklärung an das Leben und die Familie – eine Reise in die Vergangenheit seiner Eltern, dem Schlüssel seiner eigenen Geschichte.