Der immense Bedarf an Auszubildenden in der Altenpflege kann mittelfristig vielleicht doch gedeckt werden: Nach monatelangem Streit zwischen der Bundesagentur für Arbeit und den Bundesländern bei der Ausbildungs- und Qualifizierungsoffensive Altenpflege steht ein bundesweiter Ausbildungspakt kurz vor seiner Verwirklichung.

Ein Beruf mit Zukunft: Wer Altenpfleger wird, hat seinen Job sicher. Foto: epd

In der Pflege in Deutschland fehlen bereits jetzt weit mehr als 30.000 Pflegefachkräfte, nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung werden es in einigen Jahren sogar eine halbe Millionen sein. Abhilfe soll ein bundesweiter Ausbildungs- und Qualifizierungspakt in der Altenpflege schaffen. Alle relevanten Akteure, die Bundesministerien, die Länder, die Bundesagentur für Arbeit (BA) und die Gewerkschaften ebenso wie die Verbände der Einrichtungsträger hatten sich vor einem Jahr auf diesen Pakt praktisch verständigt. Die Verbände der Pflegeeinrichtungen hatten sich etwa bereit erklärt, trotz Rekordzahlen noch mehr auszubilden und sofort mindestens 4.000 Pflegehelfer zu qualifizieren. Die Bundesländer stellen die Schulplätze zur Verfügung und die BA hatte die Wiederaufnahme der dreijährigen Umschulung in Aussicht gestellt. Alle waren sich einig, dass dringender Handlungsbedarf besteht.
Die Umsetzung des Paktes war jedoch lange an inhaltlichen Differenzen zwischen der Bundesagentur für Arbeit und den Bundesländern gescheitert. Jetzt jedoch hat Bundesfamilienministerin Kristina Schröder den Durchbruch verkündet. Ihr Staatssekretär Lutz Stroppe, der die Verhandlungen geführt hatte, fasste die Hoffnung der Ministerin in konkrete Zahlen: „Mit der Ausbildungs- und Qualifizierungsoffensive haben sich Bund, Länder und Verbände auf ein gemeinsames Vorgehen verständigt, mit dem die Ausbildungszahlen über die Laufzeit des Ausbildungspaktes von drei Jahren jährlich um zehn Prozent gesteigert werden sollen.“
Auch der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste, der Partner dieser Offensive ist, äußerte sich erleichtert: „Endlich gibt es eine Einigung. Damit ist der Weg frei für Zehntausende von neuen Auszubildenden und Umschülern in der Altenpflege. Angesichts des eklatanten Fachkräftemangels in der Pflege haben wir schon zu viel Zeit verloren.“
Bei aller Zustimmung für die grundsätzliche Einigung sieht der Bundesverband privater Anbieter aber noch Klärungsbedarf. Denn wie der Kompromiss aussieht, den die Bundesländer und die BA bei der “Wiedereinführung der dreijährigen Umschulungsförderung bei gleichzeitiger Stärkung der Möglichkeit zur Ausbildungsverkürzung bei entsprechenden Vorkenntnissen” gefunden haben, ist unklar. Staatssekretär Lutz Stroppe hat dazu angekündigt, alle Partner der Offensive noch einmal einzubinden.
Zu den vielfältigen Zielvereinbarungen gehören unter anderem die Steigerung der Ausbildungszahlen in jedem Jahr der Ausbildungsoffensive um zehn Prozent, die Wiedereinführung der dreijährigen Umschulungsförderung durch die Bundesagentur für Arbeit für die Laufzeit der Vereinbarung bei gleichzeitiger Stärkung der Möglichkeit zur Ausbildungsverkürzung bei entsprechenden Vorkenntnissen, die Nachqualifizierung von bis zu 4.000 Pflegehelferinnen und Pflegehelfern zur Altenpflegekraft, die Steigerung der Attraktivität des Berufsfeldes etwa durch verbesserte Gesundheitsförderung, einen ausgewogeneren Personalmix, leistungsgerechte Vergütung und eine gemeinsame Kampagne zur verstärkten Wertschätzung dieses Berufsfeldes in der Gesellschaft.
Hintergrund der Ausbildungs- und Qualifizierungsoffensive ist der durch die demografische Entwicklung wachsende Personalbedarf in der Altenpflege. So wird die Zahl der Leistungsbezieher in der sozialen Pflegeversicherung bis zum Jahr 2030 im Verhältnis zum Vergleichsjahr 2011 um knapp 40 Prozent auf dann 3,2 Millionen. steigen. Daher wird auch der Bedarf an qualifiziertem Personal in der Altenpflege weiter wachsen. Nach den aktuellen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit kommen jedoch bereits jetzt auf 100 als offen gemeldete Stellen nur noch 37 als arbeitssuchend gemeldete Altenpflegefachkräfte. Gleichzeitig wird die Zahl der dem Ausbildungsmarkt zur Verfügung stehenden jungen Menschen zukünftig deutlich sinken.
Partner der Offensive sind neben den beteiligten Bundesministerien die korrespondierenden vier Fachministerkonferenzen der Länder (Arbeits- und Sozialministerkonferenz, Gesundheitsministerkonferenz, Kultusministerkonferenz sowie Jugend- und Familienministerkonferenz), die Wohlfahrtsverbände, die Verbände der privaten Einrichtungsträger, die Berufs- und Fachverbände der Altenpflege, die Kostenträger, die Bundesvereinigung der kommunalen Spitzenverbände, die Gewerkschaft ver.di und die Bundesagentur für Arbeit.
Der offizielle Start der Offensive soll mit der Unterzeichnung des Vereinbarungstextes in Kürze erfolgen. Umgesetzt werden die vereinbarten Maßnahmen in einem Zeitraum von drei Jahren bis zum Ende des Jahres 2015.