Senioren können sich gegenseitig helfen und unterstützen. Foto: Pixabay
Einsamkeit und soziale Isolation von Senioren sind vor allem in den Städten ein großes Problem. Doch wie kann man sie verhindern? Indem man Senioren um Hilfe bei Forschungen über ihre Altersgruppe bittet, dachte sich Dr. Tine Buffel vom Manchester Institute for Collaborative Research on Ageing der University of Manchester. Im Rahmen einer Feldstudie hat sie ältere Menschen als „Co-Forscher“ ausgebildet, die wiederum Interviews mit älteren Menschen über ihre Lebenssituation geführt haben.
„Eine wachsende Zahl von Arbeiten legt nahe, dass Co- oder Peer-Research dazu beitragen könnte, die komplexen gesundheitlichen und sozialen Probleme zu verstehen, die im späteren Leben auftreten. Dennoch gibt es bisher nur wenige Studien, bei denen ältere Menschen als Partner in den Forschungsprozess einbezogen wurden“, erklärt Tine Buffel. Sie gehört zu den wenigen Wissenschaftlern, die diesen Ansatz verfolgt haben. Achtzehn ältere Menschen wurden rekrutiert und als „Co-Forscher“ ausgebildet, um eine führende Rolle in Buffels Studie zur Entwicklung altersfreundlicher Gemeinschaften in Manchester zu übernehmen. Diese Forscher haben insgesamt 68 Interviews durchgeführt mit Einwohnern im Alter von 60 Jahren und mehr, die in ihrer Nachbarschaft isoliert waren.
Herausforderung: Zusammenarbeit zwischen Forschern und Co-Forschern
„Die Studie zeigt den Beitrag von Co-Forschern zur Erweiterung der methodischen Vielfalt, den Zugang zu selten gehörten Bevölkerungsgruppen und die Nutzung der Fähigkeiten und Ressourcen älterer Menschen. Die Forschung hebt auch die Möglichkeiten für Partnerschaften zwischen älteren Menschen und lokalen Interessengruppen hervor, um den sozialen Wandel und soziale Maßnahmen zu erleichtern“, erklärt Buffel. Aber auch große Herausforderungen haben sich bei der Forschungsmethode gezeigt, etwa bei der Art und Weise, wie die Zusammenarbeit zwischen Forschern und Co-Forschern genau gestaltet wird.
Soziale Isolation durch integrative Forschung bekämpfen
Mit ihrer Forschung möchte Tine Buffel vor allem dazu beitragen, soziale Ausgrenzung älterer Menschen in der Gesellschaft zu bekämpfen. Sie ist überzeugt: „Indem wir die Fähigkeiten älterer Menschen als Co-Forscher nutzen, können wir ein besseres Wissen über die Gemeinschaften, in denen Menschen leben, und darüber, wie Alterungsprozesse erlebt werden, gewinnen.“ Im Gegensatz zu vielen anderen „Top-Down-Initiativen“, bei denen Experten auf Dinge herabsehen, geht es ihr darum, Forschung integrativ zu gestalten – eben mit den Betroffenen. Einige Erfolge hat Tine Buffel bereits erreicht: So wurde der Busverkehr in Manchester, der aufgrund des Finanzierungsdrucks gekürzt wurde, aufgrund der Projektempfehlungen wieder ausgebaut – ältere Menschen können nun wieder besser in die Stadt gelangen. Die Revitalisierung lokaler Parkanlagen, das Entfernen von Stolperfallen oder bessere Beleuchtungsanlagen in der Stadt sind weitere Beispiele dafür, wie Buffels Arbeit Früchte trägt.
Zukunftsziele: Soziale Verhältnisse und Gesundheit gehen Hand in Hand
Ihre Forschungsergebnisse sind bedeutend für Geriater und Gerontologen, weil sie eindrucksvoll die Wechselbeziehungen zwischen den sozialen Verhältnissen älterer Menschen und den gesundheitlichen Bedingungen veranschaulichen. Dies wiederum führt zu einem besseren Verständnis der Bedürfnisse von Senioren. Um deren soziale Isolation in Zukunft weiter bekämpfen zu können, sind laut Tine Buffel verschiedene Schritte notwendig: „Ein Ausgangspunkt muss darin bestehen, das Wissen über die Wohnviertel zu verbessern, in denen gelebt wird, und daran zu arbeiten, das Spektrum der Organisationen und Gruppen, die für ältere Menschen arbeiten, zu stärken. Zu den wichtigsten Maßnahmen gehören die Verbesserung der sozialen Teilhabe, die Stärkung sozialer Netzwerke und sozialer Beziehungen sowie die Unterstützung von Personen, die sich um schutzbedürftige Gruppen älterer Menschen kümmern, insbesondere diejenigen, die von langfristigen gesundheitlichen Problemen betroffen sind.“ Damit involvierte Organisationen hier effektiv und langfristig zum Wohle des älteren Menschen zusammenarbeiten können, bedürfe es guter, partnerschaftlicher Vereinbarungen.
Ihre Arbeitsergebnisse stellt Tine Buffel nun auf dem Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) und der Deutschen Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie (DGGG) vor, der vom 6. bis 8. September in Köln stattfindet. Titel ihrer Keynote-Lecture: „Older Coresearchers Exploring Age-Friendly Communities. An ‘Insider’ Perspective on the Benefits and Challenges of Peer-Research”.
Zur Person:
Dr. Tine Buffel. Foto: The University of Manchester
Dr. Tine Buffel kam im November 2012 zum Manchester Institute for Collaborative Research on Ageing der University of Manchester, Großbritannien. Sie nahm im Oktober 2013 ein zweijähriges EU-finanziertes Marie-Curie-Stipendium auf, bei dem sie die Erfahrungen älterer Menschen in ihren Wohnorten auf Basis partizipativer Forschungsmethoden untersuchte. Im November 2015 wurde sie wissenschaftliche Mitarbeiterin im Rahmen des Programms „Ambition for Ageing“, das sich speziell auf ältere Menschen konzentriert, die von Problemen im Zusammenhang mit der sozialen Isolation im Großraum Manchester bedroht sind. Im März 2016 begann Doktor Buffel mit dem Forschungsprojekt „Urban Ageing and Social Exclusion“, das durch das ESRC-Future-Research-Leaders-Programm finanziert wurde. Dieses Projekt beinhaltet eine vergleichende Studie zur sozialen Ausgrenzung älterer Menschen in städtischen Gebieten in drei EU-Staaten.
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