Eine freche Mischung aus Musik und Kabarett präsentiert Stargast Maren Kroymann. Foto: Milena Schlösser

Als »Nachtschwester Kroymann« brachte sie zwischen 1993 und 1997 so manchen TV-Zuschauer zu Bett. Denn Maren Kroymann, heute 68, war die erste Frau mit einer Satireshow im deutschen Fernsehen. Das Magazin sechs+sechzig sprach in einem Telefoninterview mit der Sängerin, Kabarettistin und Schauspielerin über komische Rollen, Krisen und Karriere.

sechs+sechzig: Frau Kroymann, waren Sie schon einmal in Nürnberg?
Maren Kroymann: Ich glaube, einmal mit meinem ersten Bühnenprogramm »Auf du und du mit dem Stöckelschuh«. Aber das ist über 30 Jahre her. Ich freue mich total auf Nürnberg, nicht zuletzt, weil ich die fränkische Kabarettszene für so lebendig und abwechslungsreich halte – allen voran natürlich Frank-Markus Barwasser.

Ursprünglich haben Sie Anglistik, Amerikanistik und Romanistik studiert. War damit nicht der Weg in eine Lehrerlaufbahn vorgezeichnet?
Nicht wirklich. Ich wollte mir mit dem Staatsexamen beweisen, dass ich es könnte. Aber eigentlich war klar, dass ich Schauspielerin werden wollte – ich hab’s mich nur nicht gleich getraut.

Statt Schüler zu unterrichten, amüsierten Sie das Publikum lieber mit Ihrem wegweisenden feministischen Kabarett?
Ja, wenn man so will. In meinem ersten Programm 1982 habe ich Songs der 1950er Jahre gesungen, mich damals schon mit Frauenbildern beschäftigt und den Weiblichkeitswahn parodiert, von dem die deutschen Schlager des Wirtschaftswunders trieften. In meinem nächsten Programm »Gebrauchte Lieder« ging es dann eher um Männerbilder – in der von mir so geliebten US-amerikanischen Musik der 50er und 60er Jahre, mit Songs von Elvis Presley, Hank Williams und vielen anderen. Presley war übrigens der erste Mensch, in den ich verliebt war – mit neun.

Sie sind nicht nur die erste Satirikerin, die eine eigene Show im deutschen Fernsehen hatte, sondern Sie haben sich als eine der ersten Frauen bereits 1993 öffentlich zu ihrer lesbischen Orientierung bekannt. Hat Ihnen das geschadet?
Möglicherweise hat es meiner Auftragslage geschadet, aber mir als Person überhaupt nicht. Im Gegenteil, es hat mich gestärkt. Es macht einen freier und mutiger, sich nicht zu verstecken. Und das ist für die Satire eh gut, denn man darf keine Angst davor haben anzuecken. Mich wirft beruflich nichts mehr so leicht um.

Sie sind längst wieder erfolgreich als Sängerin und Entertainerin unterwegs. Anfang 2017 lief in der ARD die Pilotfolge ihrer neuen Sketch-Comedy »Kroymann«, die für fünf Preise nominiert wurde und den renommierten Juliane-Bartel-Medienpreis erhielt. Im Januar 2018 war eine zweite Folge zu sehen. Sind weitere geplant?
Ja, am 8. März kommt die dritte Folge, und vielleicht gibt uns die ARD Gelegenheit, Ende des Jahres weitere Folgen zu realisieren. Ich halte die politische Satire nach wie vor für außerordentlich wichtig. Natürlich macht es großen Spaß, die Geschlechterverhältnisse aufs Korn zu nehmen – besonders gemeinsam mit so hervorragenden Kolleginnen wie Annette Frier und Cordula Stratmann, um nur einige zu nennen.

Daneben haben Sie auch eine beachtliche Reputation als Schauspielerin aufgebaut. Wie sehen die nächsten Projekte aus?
Ende Februar kommt Teil 2 des Mädchen- und Pferdefilms »Wendy« in die Kinos. Da spiele ich Wendys liebenswerte, aber etwas verrückte Oma Herta. Als Nächstes bin ich dann in einer Folge der ZDF-Reihe »Die Diplomatin« an der Seite von Natalia Wörner zu sehen – eine Art Action-Politkrimi. Die Serie »Hotel Heidelberg« geht auch weiter, das Jahr ist also schon ziemlich voll.

Mit dem Programm »In my Sixties« gastieren Sie auf der Nürnberger Seniorenmesse »Inviva«. Was erwartet die Besucher?
Eine unterhaltsame und freche Mischung aus Musik und Kabarett – ich feiere »50 Jahre Pubertät« mit den Songs meiner Jugendzeit. Sie sind wirklich ein Quell der Inspiration für mich, ich tauche da ein wie in einen Jungbrunnen. Es sind alles Lieder, die einen ins Herz treffen, wie ich finde. Und ich werde begleitet von vier Jungs, die mich an meine vier Brüder erinnern, mit denen ich auf aufgewachsen bin.

Was bedeutet Altwerden für Sie?
Ich will mir die Haltung von Frische bewahren, lernfähig und neugierig bleiben. Zu glauben, früher sei alles besser gewesen, ist überhaupt nicht meine Sache. Ich bleibe rebellisch. Vor allem dürfen wir nicht vergessen: Wir Frauen mussten uns so viele Rechte und Freiheiten erkämpfen!

inviva-Tipp:
Maren Kroymann gastiert mit ihrer Band am 28. Februar um 16.15 Uhr auf der Show- und Aktivbühne. Ein Interview findet bereits um 10.30 Uhr statt.

Interview: Horst Mayer