Für Ulrike Mascher sind Frauen, Soloselbstständige und Zuwanderer besonders gefährdet, im Alter arm zu sein. Foto: Nossek-Bock

Dagegen ist eine Zuhörerin im zahlreich erschienenen Pulikum der Meinung, man müsste Verhältnisse schaffen, wie sie im Nachbarland Österreich bereits üblich sind. Dort gibt es eine Rentenversicherung für alle Bürger. Eine Reform des deutschen Systems in diese Richtung, hält Ulirke Mascher für durchaus erstrebenswert. “Schon aus Gründen der Gerechtigkeit” sei es geboten, diese zu schaffen. Sie warnt aber davor, sich in den nächsten Jahren davon eine Verbesserung der Lebenssituation für die aktuelle und die nächste Rentnergeneration zu erwarten. Nach ihrer Einschätzung würde eine Zusammenführung der Systeme etwa 30 bis 40 Jahre dauern. Erst, wenn die Altansprüche alle getilgt sind, wäre der Wechsel vollzogen.

Sozialreferent Reiner Prölß, Moderatorin Ulrike Nikola, VdK Präsidentin Ulrike Mascher und Prof. Matthias Wrede (v.l.n.r.) diskutieren über Altersarmut. Foto: Nossek-Bock

Der Professor für Sozialpolitik Matthias Wrede warnt ebenfalls davor, sich zu große Hoffnungen zu machen, dass damit die großen Probleme gelöst seien. Es wird nicht genug Geld übrig bleiben, um die Rentenhöhe stark nach oben anzupassen, meint er. Aber genau darauf warten viele jetzige und kommende Rentnerinnen und Rentner. In Österreich gibt es rund 80 Prozent des letzten Nettoverdienstes. Das reicht in der Regel zum Leben. In Deutschland soll das Rentenniveau bis auf 42 Prozent der letzten Nettobezüge sinken. Das treibt die Menschen um und sorgt dafür, dass es immer öfter gerade noch so zum Leben reicht, aber für keinerlei Extras. Hier fühlt sich der Rentenbezieher ausgeliefert, denn die Rente richtet sich einer Rentenformel, die so kompliziert ist, dass sie niemand versteht. Übrig bleibt das Gefühl, die Rentenhöhe wird von der Politik durch die Abstriche vom eigentlich geleisteten Beitrag immer mehr entkoppelt.

Wer eine ganz geringe Rente erhält, hat Anspruch auf Grundsicherung. Das sind in Nürnberg derzeit 6500 Menschen. Laut Sozialreferent Prölß sei die Zahl nicht allzu hoch. Aber er erwartet, dass zunehmend mehr Bürger auf diese Weise vom Staat unterstützt werden müssen. Um das zu verhindern, setzt er langfristig auf die Jugend. Sie müsse eine gute Ausbildung haben, damit sie künftig nicht in die Altersarmut abrutscht.

Den jetzigen Renterinnen und Rentner und denjenigen, die in den nächsten fünf bis zehn Jahren aus dem Erwerbsleben ausscheiden, hilft das nichts mehr. Sie haben häufg viel gearbeitet und erhalten dafür eine viel kleinere Rente, als sie zu Beginn ihres Arbeitslebens geglaubt hatten. Hier ist die Politik gefragt. Die Diskussion um die Rentenhöhe ist schon im vollen Gang. Die aktuellen Ruheständler besser zu stellen, ist ebenfalls eine Frage der Gerechtigkeit.