Sonderpädagogin Caroline Debelt weist eine Bewohnerin des Karlsruher Altenheims "Wohnstift" in den Umgang mit dem Computer ein. Forscher untersuchen das Lernverhalten Älterer. Foto: epd

Sonderpädagogin Caroline Debelt weist eine Bewohnerin des Karlsruher Altenheims “Wohnstift” in den Umgang mit dem Computer ein. Forscher untersuchen das Lernverhalten Älterer. Foto: epd

Warum haben ältere Menschen häufig Probleme sich flexibel an veränderte oder neue Situationen anzupassen? Warum fällt Ihnen die Bedienung einen Smartphones häufig schwerer als jüngeren Erwachsenen? Mit diesen Fragen beschäftigt sich ein Forscherteam der Fachrichtung Psychologie der TU Dresden in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern aus Berlin und den USA. Die Ergebnisse ihrer Studie werden diese Woche unter dem Titel Age differences in learning emerge from an insufficient representation of uncertainty in older adults in der renommierten Fachzeitschrift „Nature Communications“ veröffentlicht.

Aktuelle Studien belegen, dass jüngere Erwachsene mehr lernen, wenn Erwartungen über die Umgebung unsicher sind, wenn es zu überraschenden Ereignissen kommt oder wenn sich die Umgebung häufig ändert. Darüber hinaus sind jüngere Erwachsene in der Lage, ihre Lernrate flexibel entsprechend dieser Faktoren anzupassen. Es wird vermutet, dass jeder dieser drei Faktoren – Unsicherheit, Überraschung und Veränderungsrate über unterschiedliche neuronale Mechanismen gesteuert wird.
Um zu untersuchen, wie gut ältere Menschen in der Lage sind, sich an Veränderungen in dynamischen Umwelten anzupassen, nutzten die Wissenschaftler bei dieser Studie die sogenannte komputationale Modellierung. – eine Methode in der Psychologie die sich vor allem für die Darstellung komplexerer Prozesse eignet und die das Potential hat, zu überraschenden Einsichten in die zugrundeliegenden Abläufe sowie zu neuen Vorhersagen zu gelangen. Mithilfe des komputationalen Modells konnten die Forscher zunächst altersbedingte Veränderungen beim Lernen sowie den Einfluss der genannten Faktoren simulieren. Die dabei getroffenen Vorhersagen wurden anschließend anhand einer Lernaufgabe bei jüngeren und älteren Probanden überprüft.

Das Ergebnis zeigt, dass Lernbeeinträchtigungen bei älteren Menschen durch ein spezifisches Defizit in der Fähigkeit Unsicherheit zu repräsentieren und zum Lernen zu nutzen, entstehen. Diese Befunde weisen darauf hin, dass altersbedingte Unterschiede beim Lernen durch Veränderungen in den neuronalen Systemen zustande kommen, die feststellen, wie viel aus Veränderungen in der Umwelt gelernt werden soll.
In den laufenden Studien untersucht das Forscherteam, welche Veränderungen in den neuronalen Mechanismen die Lerndefizite älterer Menschen verursachen und wie sich adaptives Lernen in der Kindheit entwickelt. Das längerfristige Ziel des Forschungsprogramms ist es, das Wissen über altersbedingte Defizite in den komputationalen Mechanismen des Lernens zu nutzen, um Interventionen zur Unterstützung adaptiven Verhaltens in verschiedenen Bereichen (zum Beispiel bei der Nutzung neuer Technologien oder beim lebenslangen Lernen) zu entwickeln.