Foto: Michael Matejka

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Unter der fachlichen und kreativen Anleitung der Theaterpädagogin und Schauspielerin Cordelia Schuster treffen sich die weiblichen Akteure jeweils freitags von 10 bis 12.30 Uhr in den Räumen der Volkshochschule in der Hirschenstraße 27. Bei den Körper- und Stimmübungen versuchen sie, alltägliche Situationen mit pfiffigen Ideen umzusetzen. Schuster will die Fantasie der Darsteller anregen, zu Kreativität ermuntern. Sie korrigiert und lacht viel mit den Teilnehmerinnen. Sie ermuntert die Spielerinnen, einmal anders zu sein, Geschichten zu erfinden, sich ins Ungewisse zu stürzen. Sabine Fleißner sagt: »Wir dürfen brillieren, uns aber auch blamieren. Dadurch entdecken wir im Alter neue Möglichkeiten der Bewegung.«

Anfangs liefen die Übungseinheiten schleppend, die Gruppe wusste nicht so recht, wo es hingehen sollte. Doch nach drei bis vier Semestern besserte sich die Situation. Es kam Schwung in die Runde, die Protagonistinnen lernten, temporeicher zu agieren und Spaß an improvisierten, kleinen Szenen zu finden. Mitspielerin Monika Sommerfeld schildert: »Cordelia hat es geschafft, uns mit ihrer umsichtigen und fröhlichen Art zu einer harmonischen und dynamischen Gruppe zusammenwachsen zu lassen.« Für die meisten sei es eine tolle Erfahrung gewesen, erstmals »auf den Brettern zu stehen, die die Welt bedeuten«.

Nach Jahren umfangreicher pädagogischer Übungen entschloss sich die Gruppe, ein eigenes Theaterstück zu erarbeiten. »Omas Geheimnis« lautete der Titel des ersten größeren Projekts, das an drei ausverkauften Abenden im März 2015 im Kulturforum Fürth seine Feuerprobe bestand – in Kooperation mit der Fachstelle Seniorenarbeit und der Volkshochschule.

Worum geht es bei dem Stück? Hauptdarstellerin Annemarie Schmidt, gespielt von Elise Peetz, gibt Verwandten und Bekannten zu ihrem 80. Geburtstag folgendes bekannt: Der große Schrank in ihrem Wohnzimmer dürfe von nun an von niemandem mehr aufgemacht werden. Erst bei der Feier nach ihrer Beerdigung sollen ihn die Gäste gemeinsam öffnen. Es beginnt das große Rätselraten. Was ist in dem Schrank? Enthält er einen Lebensrückblick? In einem bunten Reigen werden die Vorstellungen, Alpträume und Phantasien der künftigen Erben aufgerollt. Da die Gruppe ohne schauspielernde Männer auskommen muss, schlüpften weibliche Akteure in die Rollen von Onkel Georg und Papa Markus, was aber plausibel gelang.

Dass die Gruppe viel Lob, Anerkennung und aufbauende Kritiken bekam, werten die Spielerinnen gemeinsam mit der Regisseurin als gutes Signal für weitere Ziele des Theaterclubs. »Das stärkt unser Selbstbewusstsein und macht uns Mut zur Neuentwicklung eines eventuell zweiten kleinen Theaterstücks«, sagt Theaterpädagogin Schuster. Und wo bleibt das so genannte starke Geschlecht? »Männer haben leider bis jetzt nicht die Ausdauer bewiesen«, heißt es beim Seniorentheater. Eine Mitspielerin meint: »Ich glaube, Frauen sind bei der Gruppenarbeit phantasievoller und freier, Männer sind einfach zielorientierter. Aber wir geben die Hoffnung nicht auf, dass Männer doch noch bei uns Fuß fassen.«

 Horst Mayer

Fotos: Michael Matejka