»Das Alter ist eine Zumutung«, sagt Loriot. Doch gegen manche Zumutung kann man Etliches tun – sicher auch mit Spaß. Das erhoffen sich Gabriele Baumann und Patrizia Pniok vom Projektteam der inviva von den Vorführungen in Halle 9. Statt erneut auf das Thema »Lebenswelten« zurückzugreifen – im Vorjahr wurde für Reisen nach Andalusien geworben und vor zwei Jahren nach Japan – setzen die Macherinnen heuer aufs Tanzen. »Das ist genau das Richtige für ältere Menschen«, berichtet Pniok. »Sie trainieren dabei ihre Kondition und sie sind nicht allein.« Zur Demonstration der Übungen wurde die Nürnberger Tanzschule Schlegl ins Boot geholt, die im Vorjahr ihr 110-jähriges Bestehen gefeiert hat.
Krankenkassen unterstützen die Kurse
Sonja Schlegl – sie leitet gemeinsam mit ihrem Bruder Walter das Studio am Königstorgraben 3 – will auf der inviva vor allem das Interesse an Agilando wecken, einem Tanz ohne Partner. Der Name setzt sich zusammen aus »agil« und dem spanischen »bailando«. Er bedeutet, dass man tänzerisch in Bewegung bzw. beweglich bleibt. Agilando ist eine Kombination aus tänzerischer Gymnastik und unterhaltsamen Partytänzen. Das Kurskonzept wurde speziell für die Generation 60plus entwickelt und wird von immer mehr Krankenkassen unterstützt.
Da gerade viele ältere Menschen keinen Partner oder keine Partnerin mehr haben, liegt der Schwerpunkt nicht auf dem Paar-tanz, sondern auf gesundheitsfördernder Gymnastik und anspruchsvollen Choreographien. Es ist genau das richtige Angebot für eine alleinstehende 84-jährige Nürnbergerin, die bei den Schlegls seit Jahren trainiert. Sie möchte ihr Können auch bei der Sonderschau auf der Seniorenmesse zeigen. Dazu die Tanzlehrerin: »Der Tanz ohne Partner steht in unserem Club seit sieben Jahren auf dem Programm. Rund 30 Teilnehmer, mehr Frauen als Männer, treffen sich einmal in der Woche zum Üben.« Das Studio weist seit zehn Jahren auch eine Stepp-Gruppe unter Leitung des 54-jährigen Alfred Senger (Spitzname: Freddy) vor. Die Teilnehmer – darunter eine blinde Dame – sind zwischen 60 und 80 Jahre alt und trainieren einmal in der Woche. Viele von ihnen kommen dafür sogar aus der Nähe von Ansbach angereist.
Eine Neuheit gab es vor zwei Jahren auf der Düsseldorfer Seniorenmesse »Rehacare« zu bestaunen: Tanzen mit dem Rollator. Der dortige Tanzlehrerverband hatte ein spezielles Ausbildungskonzept für Menschen mit dieser Gehhilfe entwickelt. Wie soll das funktionieren? Mit einer Hand halten die älteren Herrschaften die Hand ihres Tanzpartners, mit der anderen schieben sie ihre Gehhilfe vor sich her. Akademieleiter Jürgen Ball erklärt: »Was bei ihnen so leicht aussieht, hat einen ernsten Hintergrund. Denn bei den Tänzen werden die pflegerischen und therapeutischen Erfahrungen der Mitarbeiter aus den Senioreneinrichtungen berücksichtigt.« Allerdings: Ob Boogy, Walzer oder Tango – die Tänzer können sich nur vorwärts oder rückwärts bewegen, seitlich kann man den Rollator nicht schieben. Eine wichtige Sache dürfe nicht außer Acht bleiben, sagt Ball: »Beim Tanzen kann man wunderbar flirten. Die Senioren haben wieder die Gelegenheit dazu.«
Horst Mayer; Foto: Michael Matejka
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Tanzschule Schlegl
Königstorgraben 3, 90402 Nürnberg.
Tel. 0911/ 22 60 80
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