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Krimiautorin Ursula Schmid-Spreer mit einem Totenkopfschaal am Silbersee in Nürnberg. Foto: Mile Cindric
Krimiautorin Ursula Schmid-Spreer mit einem Totenkopfschaal am Silbersee in Nürnberg. Foto: Mile Cindric
Sie lässt sich nicht in die Karten gucken: Ursula Schmid-Spreer, 60, Fachfrau für finsteres Unwesen in unserer Region, wirkt liebenswürdig und harmlos. Doch daheim, in der Nürnberger Südstadt, brütet sie vor ihrem Computer grässliche Taten aus. Oder lässt sie verüben: Autorinnen und Autoren von überall her, viele davon aus Franken, finden sich in den von ihr mit herausgegebenen Anthologien wieder. Und meistens geht es um Mord und Totschlag.
Wie im »Haus der 13 Mörder«, der jüngsten Anthologie aus dem art&words Verlag, die Ende Februar im Nürnberger Hermann-Kesten-Zeitungscafé vorgestellt wurde. Jeder Hausbewohner hat einen Grund, den unbeliebten Hausmeister ins Jenseits zu befördern. 13 Autoren befassen sich mit deren Motiven und entlarven in einem raffinierten Finale den wahren Täter. Damit alles reibungslos ineinander greift, koordinierte die Herausgeberin Ursula Schmid-Spreer zusammen mit ihrer Kollegin Anne Hassel die Episoden der einzelnen Erzähler.
Jetzt liegt der Krimi auf den Büchertischen der hiesigen Buchhandlungen und dies in Gesellschaft eines weiteren neuen Titels, nämlich »Der Tote vom Silbersee«. Um diese einheimische Leiche hat sich wiederum Ursula Schmid-Spreer bemüht, diesmal im Team mit Christine Schneider.
Wie begründet Schmid-Spreer ihre Liebe zur kriminalistischen Literatur? »Ich schätze die geordnete Struktur, die Logik, die schlüssigen Handlungsstränge, die ein guter Kriminalroman oder eine Krimi-Kurzgeschichte aufweisen muss«, sagt die spät berufene Autorin, die eigentlich in einem ganz anderen Beruf zu Hause war. Mehrere Jahrzehnte unterrichtete sie an einer Nürnberger Schule für Gesundheitswesen angehende Zahnarzthelferinnen, bis sie sich Anfang 2013 in den vorgezogenen Ruhestand versetzen ließ.
Geschrieben hatte sie – sozusagen zum eigenen Vergnügen – da schon lange zuvor. Den richtigen Motivationsschub hatte sie durch einen ermunternden Brief eines Verlages erhalten, der zu einem Schreibwettbewerb aufgerufen hatte. Sie zählte zwar nicht zu den Gewinnern, doch das Schriftstück machte ihr Mut, ihr Hobby auszubauen. Sie lernte »kreatives Schreiben« in Kursen und Seminaren, ließ ihrer Erzählfreude freien Lauf und erfuhr Bestätigung von Lektoren und Herausgebern.
Auf einem Autorentreffen in Berlin kam sie mit Titus Müller ins Gespräch, dem renommierten Verfasser zahlreicher Romane, der die Veranstaltung leitete. Auf ihre Frage, ob er eine solche Veranstaltung auch in Nürnberg organisieren könne, meinte er zuversichtlich: »Mach’s doch selber!« Und genau das tat sie.
Zum ersten Nürnberger Autorentreffen im Jahr 2003 fanden sich 45 schreibbegeisterte Frauen und Männer im Marientorzwinger ein. Inzwischen ist diese Räumlichkeit längst zu klein: 2013, zum zehnten Jubiläum des Treffens, kamen im Fabersaal des Bildungszentrums rund hundert Teilnehmer zusammen. Die diesjährige Veranstaltung, die wie immer am Himmelfahrtstag stattfindet, ist bereits ausgebucht. Am Tag zuvor, also am Mittwoch, gibt es Seminare, Gespräche und eine Lesung im Literaturcafé um 20 Uhr.
Hier wird manches Talent entdeckt
»Schreiben ist eine einsame Angelegenheit«, sagt Ursula Schmid-Spreer. »Man sitzt allein vor seinem Computer und hat keinerlei Kontakt nach außen. Deshalb nutzen unsere Autorinnen und Autoren gern die Möglichkeit zum Gedankenaustausch mit Kollegen.« Im Laufe der Zeit, berichtet sie, hätten sich Freundschaften entwickelt, Schreibgruppen zusammengefunden und, nicht unwesentlich, erfreuliche Kontakte zu Verlagen ergeben. Denn inkognito nimmt so mancher Herausgeber oder Lektor am Autorentreffen teil, um neue Talente zu entdecken.
Die Organisatorin Schmid-Spreer selbst hat nicht nur an diesen beiden Veranstaltungstagen, sondern das ganze Jahr über jede Menge zu tun. Sie verschickt Einladungen, sucht und findet Fachdozenten, bucht Tagungsräume und Unterkünfte, beantwortet Anfragen und fungiert schon mal als Rettungsdienst für in Nürnberg verirrte Literaten, die sich unter die Autoren mischen wollen. Auch wenn ihr dadurch manchmal die Zeit zum Schreiben eigener Geschichten fehlt, versieht sie diese freiwillig übernommene Aufgabe doch mit Vergnügen.
Dass sie sich in der schreibenden Zunft der Krimi-Autoren in Deutschland bestens auskennt, hat noch andere Gründe. Ist sie doch Mitglied bei den »Mörderischen Schwestern«, einer Vereinigung deutschsprachiger Krimi-Autorinnen. Zum festen Redakti-onsteam von »Tempest« gehörend, dem monatlich erscheinenden, kostenlosen online-newsletter zum Thema Schreiben und Publizieren, verfasst die rührige Nürnbergerin regelmäßig einschlägige Artikel. Hin und wieder liefert sie auch der Internet-Plattform »Minutenmorde« einen spannenden Fall. Arbeit, gekoppelt mit Erholung, gönnt sie sich jedes Jahr im Oktober auf einer »Schreibreise« nach Mallorca, die sie zusammen mit einer dort lebenden Künstlerin durchführt. In der sogenannten Kulturfinca erarbeiten die literaturbegeisterten Reiseteilnehmer die Techniken des Schreibens, lassen sich freundlich beraten von Coaches und Kollegen und genießen nach getaner Arbeit die Vorzüge der mallorquinischen Natur und Küche.
Sie hilft beim »Fenster zur Stadt«
So viel »action« im neuen Ruhestand? Die quirlige Ex-Pädagogin scheint es zu genießen. »Ich habe das Gefühl, ich habe jetzt meinen dritten Lebensabschnitt begonnen«, sagt sie. »Endlich kann ich tun, was mir Spaß macht, ganz nach meinem eigenen Geschmack und Tempo.« In Nürnberg, wo sie seit zwanzig Jahren lebt, fühlt sich die gebürtige Österreicherin ganz und gar zu Hause. Sie hält Lesungen vor unterschiedlichstem Publikum – im Waschsalon, im Rotlichtviertel, in Literaturcafés, in Buchhand-lungen. Ein Ehrenamt hat sie auch noch: einmal pro Woche hilft sie im »Fenster zur Stadt«, der Begegnungsstätte der katholischen Stadtkirche Nürnberg. Darüber hin aus frönt sie noch einer Leidenschaft, die Körper und Geist fit halten soll: dem Line Dance bei Country Music.
Und zu guter Letzt mangelt es ihr auch nicht an häuslichen Tugenden. Hin und wieder greift die Krimi-Autorin zum Strickzeug oder backt Kuchen – ganz bestimmt ohne eine Prise Arsen. Ihre Familie kann es bezeugen.
Brigitte Lemberger
Foto: Mile Cindric

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