Parinas Motori. Foto:Büschel

Parinas Motori. Foto:Büschel

Meine Freundin und ich wollten unbedingt nach Hamburg und die Stadt besichtigen. Doch die Benzinpreise steigen, die Bahn wird teurer und wir Schüler nicht reicher. Trotzdem haben viele von uns das Bedürfnis, ab und an Urlaub zu machen, die Welt zu sehen oder andere Städte zu erkunden. Denn noch sind wir jung und haben die Zeit. Später sind wir an Studium, Job und Familie gebunden.
Also mussten wir uns überlegen, wie wir von Nürnberg nach Hamburg und wieder zurückkommen. Und wir kamen auf eine billige Möglichkeit zu reisen, als uns unsere Eltern erzählten, wie sie das damals gemacht hatten. In den 60er und 70er Jahren hatten die Jugendlichen auch nicht viel Geld, wollten aber, wie wir die Welt sehen. Und, was haben sie gemacht? Sie sind getrampt!
Also stellten wir uns an eine Raststätte an der Autobahn und hielten ein Schild mit der Aufschrift “Hamburg” in die Höhe. Viele guckten doof, manche aber auch belustigt. Andere schüttelten bedauernd den Kopf, da sie entweder nicht in die Richtung fuhren oder das Auto schon voll war. Nach einer Stunde hielt endlich ein Auto vor uns an. Versicherte sich noch mal, ob wir wirklich nach Hamburg wollen und machte einfach die Rückbank frei! Das nette junge Paar Anfang 30 nahm uns bis nach Hamburg mit. Die Fahrt war angenehm und wir fühlten uns wohl.
Da das so wunderbar klappte, hielten wir uns nicht davon ab, es auch zurück zu probieren. Also stellten wir uns in Hamburg wieder an die Raststätte an der Autobahn und hielten diesmal zwei Schilder mit der Aufschrift” Nürnberg” und „in Richtung Süden” hoch. Auch hier wurden wir schief angeguckt und die Kinder wussten nicht ganz, was wir vorhaben und machten große Augen. Nach knapp einer Stunde sprach meine Freundin jemanden persönlich an. Ein Mann, Mitte 50, schulterlange graue Haare und ordentlich gekleidet mit einem Mietwagen. Er nahm uns ohne zu überlegen mit und erzählte im Auto seine Tramp Geschichten. Er fand es schade, dass junge Menschen heutzutage nicht mehr so oft das Trampen versuchen und hat sich sehr über unsere Gesellschaft uns gefreut.
Wir haben von Hamburg bis nach Nürnberg nur sechs Stunden gebraucht und ich habe mir eins in den Kopf gesetzt! Wenn ich die Zeit und eine Begleitung habe, werde ich es mit trampen versuchen. Denn neben der kostenlosen Fahrt genießt man auch die tollen Geschichten des Fahrers bzw. der Fahrerin.
Mit diesem Beitrag endet Parinas Blick auf die Welt. Nicht, dass unsere Praktikantin jetzt nicht mehr in die Welt blickt, sie ist in diese hinausgegangen und setzt woanders ihren hoffentlich “beruflichen Werdegang” fort. Das Magazin66 wünscht ihr viel Erfolg & Glück dabei und sagt leise servus – Parinas.