Sie waren in den 50-er, 60-er und 70-er Jahren der letzte Schrei, heute liegen sie unbeachtet in Schränken, Schüben, Kellern oder auf Dachböden: Dinge, die einmal richtig »schick« waren. Manches gibt es gar nicht mehr. Anderes wiederum ist plötzlich sehr in Mode, weil schmückende Dinge eben zeitlos sind.

Schicke Frisuren sind stets eine Erfindung des Zeitgeistes. Lang oder kurz, glatt oder lockig, gerade oder gestuft – was sich aktuell auf den Köpfen abspielt, und insbesondere auf denen der Frauen, bestimmen heute Designer und Chef-Figaros. Die gab es bereits in der Antike. Denn schon die alten Römer wussten Trends zu setzen und hatten wohl ausgesuchte Sittenwächter im Volk. Zu Zeiten von Christi Geburt trugen die angesehenen Damen der republikanischen Gesellschaft das Haar nach vorne auf dem Scheitel als Dutt. Es sollte eine Zeitlang dauern, bis diese Version wieder populär wurde. Ende der 60-er und Anfang der 70-er Jahre des vergangenen Jahrhunderts war es wieder einmal soweit. Der Dutt hatte Hochkonjunktur. Christine Löhnert, heute 65, die ihre Tochter in Nürnberg öfter besucht, erinnert sich an ihr erstes Erlebnis mit hochdrapiertem Haupthaar. Es muss Anfang 1970 gewesen sein, als Christine Löhnert daheim in Leipzig Besuch von Tante Ilse aus dem Westen bekam. »Sie war eine schöne Frau. Aber mit dem Dutt sah sie noch toller aus. Er hatte genau ihre Haarfarbe, und als damalige Friseurin wusste sie ihn auch geschickt einzusetzen«, berichtet Löhnert. Tante Ilse hatte also eine weitere und damals überaus beliebte Dutt-Variante gewählt. Sie trug nicht ihre eigenen Strähnen zu einem Pferdeschwanz gebunden und zu einem markanten Knoten am Hinterkopf aufgesteckt, sondern zauberte mit einem fertigen Haarteil eine wunderbare Illusion von üppig wallenden Haaren, die sorgsam gebändigt zu sein schienen. Christine Löhnert war so begeistert von dieser Création, dass Tante Ilse ihr später einen solchen fertigen Dutt schickte. »Zwei Jahre habe ich diese Mode mitgemacht«, berichtet Frau Löhnert. Heute findet sie die Haarteile überdimensioniert. Allerdings: die britische Sängerin Amy Winehouse konnte sich für einen aufgetürmten Schopf aufs Innigste begeistern und trug bis zu ihrem frühen Tod vor einem Jahr stets ihre Bienenstock-Frisur. Ein Markenzeichen, das inzwischen Anhängerinnen gefunden hat.
Elke Graßer-Reitzner

Alle Folgen unserer Serie “Das war schick!” können Sie lesen, wenn Sie diesem Link folgen: Das war schick!