Peter M. Endres hält sich mit Nordic Walking fit – hier an der Alten Veste in Zirndorf. Foto: Roland Fengler

Peter M. Endres hält sich mit Nordic Walking fit – hier an der Alten Veste in Zirndorf. Foto: Roland Fengler

Alle drei Jahre untersuchen KarstadtQuelle Versicherungen die Positionen und Vorstellungen der älteren Bürger. 2009 sind die Ergebnisse unter dem Titel »Die freie Generation« zusammengefasst worden. In einem Gespräch mit dem Magazin sechs+sechzig erläutert der Vorstandsvorsitzende der Karstadt-Quelle Versicherungen, Peter M. Endres (56), die Ergebnisse der breit angelegten Studie. Er gibt Einblick in sein eigenes Lebensgefühl und beschreibt die Konsequenzen für den Konzern.
Sechs+sechzig: Wie alt fühlen Sie sich?
Peter M. Endres: Ich gehe mit dem Alter unverkrampft um.
Sechs+sechzig: Deckt sich Ihre Einschätzung mit den Ergebnissen der Studie: Sie besagt, Menschen der Generation 50plus werden mindestens zehn Jahre jünger geschätzt als sie tatsächlich sind. Empfinden Sie dies persönlich sich auch so?
Endres: Wenn ich an die Generation meiner Eltern zurückdenke: die hat sich auch jung gefühlt. Doch die Wahrnehmung hat sich gewandelt. Die älteren Menschen sind heute mobiler, aktiver und kommunikativer. Ein gutes Beispiel ist der frühere Bundesbildungsminister und langjährige Hamburger Bürgermeister Klaus von Dohnanyi, der unsere Studie vorgestellt hat. Er ist 81 Jahre alt und topfit. Er könnte jederzeit als 70-Jähriger durchgehen. Er sagte auf die Frage, »Wen sehen Sie als alt an?«: »Immer diejenigen, die fünf Jahre älter waren als ich. Und das schon, seit ich 20 Jahre alt bin.«
Sechs+sechzig: Die heutige »freie Generation« will arbeiten, auch weit über die Rentengrenze hinaus. Trifft das auch auf Sie persönlich zu?
Endres: Bis zum 65. Lebensjahr zu arbeiten, das ist die Regel. Ich werde dann aber nicht nach Hause gehen und vor dem Fernseher sitzen, sondern erst einmal sehen, wie ich mich fühle. Entsprechend meinen Vorstellungen werde ich mich dann engagieren.
Sechs+sechzig: Dürfen Arbeitnehmer bei KarstadtQuelle Versicherungen überhaupt länger arbeiten?
Endres: Wir sind ein relativ junges Unternehmen. Daher sind erst wenige Mitarbeiter in Rente gegangen. Wir haben zwei Mitarbeiter, ehemalige Topmanager im Ruhestandsalter, die in Teilzeit beschäftigt sind. Sie übernehmen spezielle Aufgaben und kümmern sich um Projekte im zweistelligen Millionenbereich in Spanien, wo eine unserer Tochtergesellschaften sitzt. Sie bringen ihre Erfahrungen ein. Das ist super und sie passen an jeder Ecke. Die beiden sind einmal in der Woche dort. Das ist eine typische Geschichte.
Sechs+sechzig: Wie hoch liegt der Anteil der Beschäftigten über 50 Jahre im Unternehmen?
Endres: Bei 15 Prozent. Das Durchschnittsalter unserer Beschäftigten beträgt rund 38 Jahre. Wir haben auch Arbeitnehmer über 50 eingestellt.
Sechs+sechzig: Die Heraufsetzung des Rentenalters ist umstritten. Bewerten Sie eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit positiv?
Endres: Nachdem die Bevölkerung im Schnitt älter wird und länger arbeiten möchte, ist es klar, dass der Gesetzgeber darüber nachdenkt. Ich sehe das nicht als Schreckgespenst, aber es darf nicht für alle gleich geregelt werden. Wir haben es doch mit sehr unterschiedlichen Lebenssituationen und Schicksalen zu tun. Es wäre aber schade, wenn die gesamte Erfahrung dieser sehr fitten Generation ausgemustert würde. Dennoch gilt: Die Jugend hat Vorfahrt. Sie ist die Zukunft. Es gibt darüber hinaus genügend Betätigungsfelder für die Generation 60plus.
Sechs+sechzig: »Für ehrenamtliche Tätigkeiten können sich die wenigstens erwärmen«, lautet ein weiteres Ergebnis der Studie. Können Sie sich diesen Trend erklären?
Endres: Wir sind ein ganzes Leben lang darauf gedrillt, zu arbeiten, und zwar nicht nur des Geldes wegen, sondern auch weil es Spaß macht und sinnvoll ist. Vielleicht findet sich in Zukunft die eine oder andere intelligentere Lösung für engagierte Menschen jenseits der Ruhestandsgrenze.
Sechs+sechzig: Voraussetzung dafür ist jedoch, dass man fit alt wird. Unterstützt das Unternehmen die Arbeitnehmer in diesem Bemühen?
Endres: Beim Essen in der Kantine auf jeden Fall. Es wird ein kalorienreduziertes Essen angeboten, das auch noch sehr gut schmeckt. Jeden Dienstag gibt es einen Apfeltag. Das haben sich die Mitarbeiter gewünscht. Darüber hinaus gehören Vorträge über gesunde Ernährung, Sportangebote wie Rückenschule und Yoga zum Programm. Wenn ein Boxkurs gewünscht würde, dann würden wir den wohl auch anbieten. Viele kommen mit dem Fahrrad zur Arbeit. Pro gelaufenem oder geradeltem Kilometer spenden wir 50 Cent an die Madeleine-Schickedanz-Stiftung. Demnächst ist eine Aktion unter dem Motto »Beweg was, beweg dich« geplant.
Sechs+sechzig: Treiben Sie selbst Sport?
Endres: Ich nutze den Power Plate, mache sehr viel Nordic Walking. Ich liebe alles, was mit Schnee zu tun hat, und wandere. Meine Frau ist ebenfalls sehr sportlich.
Sechs+sechzig: Reicht das aus, um das Risiko, ein Pflegefall zu werden, zu mindern?
Endres: Ja. Ich lasse mich auch jedes Jahr beim Arzt komplett durchchecken. Sich gut zu fühlen, reicht nicht aus. Man muss sich regelmäßig überprüfen lassen.
Sechs+sechzig: Es werden, auch von Ihrem Unternehmen, Zusatzversicherungen für den Pflegefall angeboten. Werden die Leistungen daraus überhaupt im größeren Umfang abgerufen?
Endres: Unter den Menschen über 80 Jahren wird jeder Dritte ein Pflegefall. Das Spektrum reicht von häuslicher Pflege bis zur stationären. Je älter wir werden, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, Pflege zu benötigen.
Sechs+sechzig: Die Bankenkrise hat das Vertrauen der Verbraucher in langfristige Vorsorge erschüttert. Wie reagieren KarstadtQuelle Versicherungen auf diese Situation?
Endres: Wir haben zwei neue Produkte aufgelegt. Einmal eine Kapitallebensversicherung, bei der die Abschlusskosten gedeckelt sind. Das andere ist eine Rentenversicherung gegen Einmalbetrag und mit einer Kostenflatrate.
Sechs+sechzig: Ihr Vertriebsweg ist traditionell das Telefon. Doch das Internet gewinnt auch in der Zielgruppe der Älteren immer mehr an Bedeutung, wie die Studie bestätigt. Welche Konsequenzen ziehen Sie daraus?
Endres: Wir haben festgestellt, dass die Kunden sich zunehmend im Internet über die Produkte informieren, dort auch abschließen, aber bei speziellen Fragen doch den Telefonservice nutzen.
Sechs+sechzig: Zurück in die Zukunft: Wie möchten Sie selbst alt werden? In einer Wohngemeinschaft wie der frühere Bremer Bürgermeister Henning Scherf?
Endres: Ich bin kein WG-Typ. Ich wohne gerne im eigenen Haus und gerne mit meiner Familie. Deswegen möchte ich, solange es geht, in den eigenen vier Wänden bleiben. Später könnte ich in eine altengerechte Wohnung umziehen. Meine Generation wird ganz individuelle Lösungen für ihr Leben im Alter finden. Viel individueller als die Generationen zuvor. Die 68-er Generation fühlt sich nicht alt. Sie sucht ebenfalls nach neuen Wegen. Weil sich das Lebensgefühl so schnell ändert, erneuern wir die Studie alle drei Jahre.
Petra Nossek-Bock
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Information
KarstadtQuelle Versicherungen
* gehören zu 100 Prozent zur ERGO Versicherungsgruppe AG, ERGO gehört wiederum mehrheitlich (94,7 Prozent) zur Münchener Rückversicherung
* das Unternehmen besteht seit 1984
* Mitarbeiter am Standort Fürth: 1.826 (Stand 2008)