Wolfgang Riedelbauch, Intendant der Musica Franconia, Internationale Festtage Alter Musik NŸrnberg, GrŸnder und KŸnstlerischer Berater Dehnberger Hof Theater. Foto: Cindric
Wolfgang Riedelbauch, Intendant der Musica Franconia, Internationale Festtage Alter Musik NŸrnberg, GrŸnder und KŸnstlerischer Berater Dehnberger Hof Theater. Foto: Cindric

Das Arbeitszimmer von Wolfgang Riedelbach strahlt Geschäftigkeit aus. Notenblätter liegen bereit, ebenso Zettel mit Kartenwünschen für eines seiner zahlreichen Konzerte. Und mittendrin stapelt sich die gerade erschienene, elfbändige Gesamtausgabe der Vokalwerke des Nürnberger Komponisten Johann Pachelbel (1653-1706).  Der besondere Stolz Riedelbauchs: »Ein musikalisches Denkmal Nürnbergs mit weltweiter Bedeutung«, sagt der 76-Jährige.

»Ich will keine überflüssigen Konzerte machen«, sagt Wolfgang Riedelbauch. Dabei hätte man auch erwarten können, dass sich der gelernte Opernkapellmeister und Musikwissenschaftler allmählich ins Privatleben zurückzieht. Schließlich hat er vor zwei Jahren die Intendanz des »Fränkischen Sommers«, den er seit 1999 im Auftrag des Bezirks Mittelfranken organisierte, nicht ganz freiwillig aufgegeben.

»In meiner letzten Saison hatten wir eine Auslastung von über 90 Prozent. Da lag es für mich nahe, den Fränkischen Sommer auf ganz Franken, bzw. die Metropolregion auszudehnen, zumal sich das Einzugsgebiet weit über die mittelfränkischen Bezirksgrenzen hinaus erstreckt hat und wir sinnvollerweise Konzerte auch in angrenzenden Bezirken veranstaltet haben. Doch leider fand ich beim Bezirk Mittelfranken keine Zustimmung zu diesem Vorschlag. Der Bezirk hat die Zusammenarbeit nach 13 Jahren beendet und einen neuen Intendanten engagiert«, schreibt Riedelbauch auf seiner »Musica Franconia«-Internetseite.

Und so macht er nun in leicht abgewandelter Form ohne die Unterstützung des Bezirks weiter, beseelt und getragen von dem Wunsch, einem aufgeschlossenem Publikum ungewohnte Klänge näher zu bringen, besondere Programmformate anzubieten und so 1200 Jahre Musikgeschichte authentisch und unterhaltsam zugleich zu präsentieren. »Musikalische Denkmalpflege« nennt er das. Sein Berufstand habe schließlich keine Altersbeschränkung, sagt Riedelbauch. Und wenn ihm auch dann und wann die Physis Grenzen setzt, ihn so ein Konzertabend doch mehr als früher anstrengt und ihn das »Multi-Tasking« in seiner Arbeit manchmal etwas überfordert – er bleibt dem Leben von und mit der Musik mit all ihren Facetten treu. Das spürt man sofort, wenn der umtriebige Meister durch die Welt der Oper führt. Spannend kann er umfangreiche Handlungsstränge wiedergeben, die oft entrückten Gedankengänge von Komponisten und Librettisten erklären und so
dem Zuhörer einen kleinen Einblick in die Welt der Musik geben.

Genauso euphorisch berichtet Riedelbauch auch von seinen Opern-Plänen mit Beat Wyrsch, dem Schweizer Theaterregisseur und Mitbegründer der Nürnberger Pocket Opera Company, und mit dem künstlerischen Leiter des Ballettförderzentrums Nürnberg, Raymund Maurin. Mit Wyrsch als Regisseur hat er sich dem aus Franken stammenden Komponisten John Christopher Smith (geboren 1712 in Ansbach als Johann Christoph Schmidt; gestorben 1795 in London) angenähert und erst kürzlich dessen Vertonung von Shakespeares »Sommernachtstraum« als deutsche Erstaufführung auf die Bühnen gebracht. Gemeinsam wollen die beiden und Maurin auch weiterhin die Fahne der musikalischen Denkmalpflege  hochhalten und mit innovativen Opernprojekten den alten Werken fränkischer Komponisten, die zu ihrer Zeit hoch angesehen waren, wieder neues Leben einhauchen.

Und dann gibt es da noch Riedelbauchs Kontakte zur Klassik-Musik-Szene in der Türkei. Neben der Zusammenarbeit mit der Staatsoper Izmir war eines seiner ambitioniertesten Projekte in diesem Jahr die Aufführung von Händels »Hercules« mit Gesangssolisten von der Staatsoper aus Nürnbergs türkischer Partnerschaft Antalya. Im römischen Theater von Aspendos lauschten 5.000 Besucher der Aufführung, die zudem im türkischen Fernsehen im Rahmen der Internationalen Opern- und Ballettfestspiele übertragen wurde. Damit leistet Riedelbauch auch ein Stück
Völkerverständigung, denn bei seinen Aufführungen sind stets Sängerinnen und Sänger aus dem fränkischen Großraum dabei.

Langweilig wird es dem umtriebigen 76-jährigen also nicht. Die Probleme um die Finanzierung seiner Projekte sind für ihn dabei allerdings eine große Last. So wird es wohl die Angebote der »Musica Franconia«- Reihe im kommenden Jahr in der bisherigen Form nicht mehr geben. Zu schwierig sei die Suche nach Förderern geworden, zu speziell die Voraussetzungen, die zu erfüllen seien, um an öffentliche Zuschusstöpfe zu kommen.

Und trotzdem wird man auch im Jahr 2016 wieder von Wolfgang Riedelbauch hören. Zu groß ist seine Sehnsucht, wieder an ungewöhnlichen Orten Ungewöhnliches aufzuführen.  Die Gluck-Gesellschaft hat bereits ein Konzert bei ihm gebucht: das Requiem für Louis XVI. und Marie Antoinette des in Freystadt geborenen und vor 200 Jahren in Paris gestorbenen Johann Paul Martini als deutsche Erstaufführung.

Zudem will sich Riedelbauch wieder mehr ans Klavier setzen. Konzerte mit zwei Sängerinnen und Klavierbegleitung schweben ihm da vor. Und dann ist er ja auch noch ein großer Freund der fränkischen Volksmusik. So veranstaltet er als Rezitator gerne Konzerte mit Volksmusikanten, rezitiert häufig zusammen mit Musik, zum Beispiel den »Parsifal« von Wolfram von Eschenbach im Eschenbacher Münster oder seit 40 Jahren Ludwig Thomas »Heilige Nacht« im Dehnberger Hoftheater.

Zwischendurch gönnt der Künstler sich gerne einmal eine Schlachtschüssel. Musik ist zwar die Nahrung der Seele, aber wenn man sich solchen Herausforderungen derart intensiv stellt wie Wolfgang Riedelbauch, dann darf natürlich auch der Körper nicht zu kurz kommen.

Karin Jungkunz
Foto: Mile Cindric

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