Die erfahrene Cellistin Mee-Hae Ryo erklärt, warum europäische Klassik in Asien so populär ist. Foto: Nürnberger Symphoniker

Die erfahrene Cellistin Mee-Hae Ryo erklärt, warum europäische Klassik in Asien so populär ist. Foto: Nürnberger Symphoniker

Gleich vier Solistinnen aus Asien stehen beim Benefizkonzert der Nürnberger Symphoniker zugunsten des Magazins sechs+sechzig und der Lebenshilfe Nürnberg Mitte September auf der Bühne. Zu ihnen gehört die erfahrene und bekannte Cellistin Mee-Hae Ryo. Sie wird in dem Tripelkonzert C-Dur op. 56 von Ludwig van Beethoven einen prägenden Part übernehmen. In einem Interview mit dem Magazin sechs+sechzig erzählt die 48-jährige Südkoreanerin, wie sie die klassische Musik entdeckte, was sie mit Nürnberg verbindet und warum man sich diesen besonderen Konzertabend nicht entgehen lassen sollte.

sechs+sechzig: In welchem Alter haben Sie angefangen, ein Instrument zu spielen?
Mee-Hae Ryo: Ich habe mit sechs Jahren mit der Musik angefangen, mit zehn habe ich das Cello entdeckt. Korea ist ein guter
Platz, um mit einer klassischen Musikausbildung zu beginnen, aber klassische Musik ist eine westliche Musik. Um sie besser
kennen zu lernen und weil mein Vater gute Kontakte dorthin hatte, bin ich mit 16 Jahren in die USA gegangen. Dort habe ich die
Juilliard School of Music in New York absolviert. Später bin ich auf die School of Music an der Universität Michigan gewechselt,
wo ich dann auch meinen Abschluss gemacht habe.

Warum Cello?
Ich habe einen Zwillingsbruder. Er hat genauso wie ich in der Grundschule eine klassische Musikausbildung angefangen. Da er
etwas kleiner ist als ich, hat der Lehrer gemeint, er solle besser Violine spielen und ich als das größere Kind Cello. Er hat später nicht so gut bei Musikwettbewerben abgeschnitten wie ich und das Interesse verloren. Heute arbeitet er als Finanzmanager.

Sie sind aber nicht dauerhaft nach Korea zurückkehrt, sondern leben heute in Wien. Wie kam es dazu?
Mein Mann ist Österreicher. Inzwischen haben wir drei Kinder, aber keines ist Musiker geworden, obwohl sie talentiert sind.

Waren Sie ihnen kein gutes Vorbild?
Ich bin sehr glücklich, Musikerin zu sein. Aber es schwierig, diesen Beruf jeden Tag auszuüben. Er hat erste Priorität, noch vor
jedem persönlichen Leben.

Liegt das auch daran, dass man sehr viel und regelmäßig üben muss, um es zu einer guten Position zu bringen und auftreten zu
können?

In Südkorea gibt es viele Talente. Die Eltern möchten gerne, dass ihre Kinder berühmt werden, und so steigt die Zahl der Musikschüler sprunghaft an. Ich gebe auch viel Unterricht, vor allem lehre ich an der Universität und vermittle meine
Erfahrungen. Denn die Bedingungen für eine Musikausbildung sind in Asien anders als hier. Die Schüler üben jeden Tag bis zu
zehn Stunden. Sie wollen perfekt sein und keine Fehler beim Vortrag machen. Aber es ist viel wichtiger, dass sie die Musik fühlen und ein Gefühl beim Spielen des Instruments ausdrücken.

Könnte die unterschiedliche Auffassung vielleicht darauf basieren, dass klassische Musik in Asien nicht die traditionelle Musik ist?
Jüngere Menschen fühlen sich gelangweilt von der traditionellen Musik und stehen der westlichen Kultur sehr nahe. Deswegen
mögen sie die klassische Musik, die ihnen auch vertraut ist.

Sie werden in Nürnberg das Tripelkonzert von Beethoven spielen. Was ist für Sie das Besondere daran?
Ich mag es sehr. Es liegt sehr nah an einem Cellokonzert. Beethoven hat ja keine speziellen Cellokonzerte geschrieben. Aber der
Anfang ist ein Cello solo – übrigens sehr schwer zu spielen.

Was verbinden Sie mit Nürnberg?
Ich habe mit den Nürnberger Symphonikern 2013 eine CD gemacht. Alle daran beteiligten Mitglieder des Orchesters waren sehr
gut, und wir waren alle glücklich über diese Zusammenarbeit. Wenn ich eine neue Chance habe, mit ihnen zusammenzuarbeiten,
ergreife ich sie gerne.

Interview: Petra Nossek-Bock

Foto: Nürnberger Symphoniker

Das Konzert

Das Benefizkonzert mit Werken von Ludwig van Beethoven, Wolfgang Amadeus Mozart, Giuseppe Verdi und Giacomo Puccini
findet am Freitag,18. September, im Konzertsaal der Nürnberger Symphoniker in der Kongresshalle, Bayernstraße 100, statt. An
diesem Abend erwartet das Publikum ein an Höhepunkten reiches Konzert. Gleich vier hochkarätige Solisten stehen den
Nürnberger Symphonikern unter ihrem beliebten Gastdirigenten Johannes Klumpp zur Seite. Es handelt sich um die Sopranistin
Kyunghye La, Semi Yang an der Violine, Mee-Hae Ryo am Violoncello und Shiran Wang am Klavier.
Das Konzert beginnt um 19.30 Uhr. Die Karten kosten 21 Euro und ermäßigt 13 Euro (Schüler, Studenten und Menschen mit
Behinderung). Sie sind bei der Lebenshilfe Nürnberg und in den Filialen der Hypovereinsbank im Vorverkauf erhältlich. Den
Erlös dieses Benefizkonzerts teilen sich die Lebenshilfe Nürnberg und das Magazin sechs+sechzig. Beide Initiativen bedanken
sich bei der HypoVereinsbank für die Unterstützung.