Sommerakademie fŸr Taijiquan und Qigong 2014, 4.-17. August, Woche 1 Veranstalterin: Sonja Blank Veranstaltungsort: Bildungshaus am Harz in Alterode Die Lehrer: Guiyan Jian, Epi van de Pol, Franziska RŸscher, Martin Neumann, Thomas Kirchner, Sonja Blank, Mario Bšnicke.

Nur noch körperlich verbiegen – Annette Maul, 60 Jahre, 
Kampfkünstlerin
Kampfkunst ist ihre Passion, und sie war es eigentlich schon immer. Seit Annette Maul 23 ist, übt sie, sieht sich selbst aber – kurz vor der Rente – immer noch am Anfang. Seit vielen Jahren tragen ihre Kurse zu ihrem Lebensunterhalt bei: Die gelernte Grafikerin bietet von dienstags bis freitags über ihren Verein »Zanchin« Kurse für alle Altersgruppen an. Momentan muss sie dabei viele Kompromisse schließen, dafür sorgen, dass die Kurse voll sind und es jedem recht machen. »Deshalb freue ich mich schon darauf, wenn ich in drei Jahren in Rente gehe«, sagt Maul. Finanziell genüge ihr das dann und ihren Sport könne sie endlich so unterrichten, wie sie es gern würde, ohne zu überlegen, ob dies dem Massengeschmack entspricht und ob sich genügend zahlende Anhänger finden. Wenn künftig neben dem Sport Muße bleibt, will sie ihren lebenslangen Traum verwirklichen und ein neues Alphabet gestalten, »das kein Mensch braucht«. Oder »ein kleines Büchlein für meine Schüler schreiben«. Zentral in ihrem Leben soll aber immer die Kampfkunst bleiben, denn »je älter man ist, desto schöner kann man sich bewegen«. Ihr Vorbild sei ihre chinesische Trainerin, mittlerweile Mitte 70. Wer im Alter nur rumhänge und nichts mit sich anzufangen wisse, dem fehle es schlicht an Vorbildern.

Helmut Wich im CCN Computer Club NŸrnberg.

Helmut Wich im CCN Computer Club NŸrnberg.

Voll ausgelastet im Ehrenamt – Helmut Wich, 64 Jahre, 
Computerexperte 

Wer Helmut Wich erreichen will, ruft am besten im Computer-Club 50plus an. Eventuell erreicht man ihn auch bei der Führungsakademie der Bundesagentur für Arbeit in Lauf. Dort bereitet er angehende Pensionisten auf das berühmte Loch vor, in das sie zu fallen drohen, »wenn sie erst die Schiffsreise mit ihrer Frau gemacht, den Keller aufgeräumt und den Arzt einen Check-Up haben machen lassen«. Manchmal warnt er auch vor der »Enkelfalle«, die überhaupt keine Zeit mehr lässt für eigene Interessen. Wich selbst wurde im Jahr 2011 pensioniert, hat keine Kinder, eine noch berufstätige Frau. Er verbringt rund 30 Stunden pro Woche bei seinen ehrenamtlichen Aufgaben. Dazu zählen neben den Seminaren für »Jungsenioren« die Planung der Kurse im  CCN 50plus, die Wartung der Systeme und der Unterricht. Daneben legt er großen Wert darauf, gesund und fit zu bleiben und begibt sich mit dem Alpenverein zwei bis drei Mal pro Woche auf Wanderung ins Gebirge – das braucht er als Ausgleich zum stressigen Ehrenamt. »Denn auch hier muss man loslassen können«, so Wich

Ich bin dann mal weg – Brigitte Wellhöfer, 61 Jahre, 
ehemalige Grünen-Fraktionsvorsitzende im Stadtrat
Ende April ging es los, nach Spanien, für zwei Monate mit dem neuen VW-Campingbus: Freunde besuchen, Mehrtagestouren machen, Orte sehen, die bislang zu entlegen waren. Nach 18 Jahren im Stadtrat gab Brigitte Wellhöfer vor zwei Jahren den Fraktionsvorsitz ihrer Partei ab, um mehr Zeit für sich und ihren Mann zu haben, der heuer in Rente gegangen ist. »Außerdem bin ich aus 20 Vereinen ausgetreten und engagiere mich heute nur noch für ›famos‹, den Gesamtelternbeirat und die Kirche«, sagt Wellhöfer. Überwiegend Verständnis habe man ihr entgegengebracht, dafür, dass für sie nun ein neuer Lebensabschnitt beginne. In den vergangenen Jahrzehnten blieb durch ihre vielen Abendtermine und die Wochenenddienste ihres Mannes wenig gemeinsame Zeit für die Familie. Deshalb, aber auch, weil sie es als gelernte Krankenschwester weder sich noch den Patienten zumuten wollte, nach zwei Jahrzehnten Pause ihren Beruf wieder aufzunehmen, zog sie sich vier Jahre vor ihrem ersten offiziellen Rentenbezug ins Privatleben zurück. »Ich fühle mich extrem privilegiert, wenn ich erst um acht Uhr aufstehe und dann erst einmal drei Stunden Zeitung lese«, sagt Wellhöfer. Gemacht werde jetzt all das, was das Ehepaar Wellhöfer seit Jahren plant: Städtetouren, die Mainwanderung und mehrtägige Radreisen. »Ganz anders als früher machen wir jetzt alles sofort.«

Heidrun Herzog in ihrer Wohnung.

Heidrun Herzog in ihrer Wohnung.

Das Wichtigste sind die Enkel – Heidrun Herzog, 61 Jahre, 
angestellt in einem Kfz-Fachbetrieb
Fünf Enkelkinder hat sie insgesamt. Zwei davon im Alter von zweieinhalb beziehungsweise fünf Jahren wohnen nur zwei Häuser  entfernt. In Heidrun Herzogs Leben spielen die Enkel die zentrale Rolle. »Die wollen auf den Spielplatz, in den Fun-Park oder einfach bei Omi übernachten«, sagt die passionierte Großmutter – »am liebsten täglich«. Dabei ist Herzog neben ihrem Rentenbezug noch berufstätig, in einem kleinen Kfz-Fachbetrieb arbeitet sie zehn Stunden pro Woche. Nicht aus finanziellen Gründen, »ich brauch das einfach«, sagt sie. Fit hält sich Omi mit Aqua-Zumba. Außerdem trifft sie sich gerne spontan mit Freundinnen und Freunden in der Stadt. Wünschen würde sie sich von der Stadtverwaltung zum Beispiel einen Großelterntag im Tiergarten, bei dem auch denjenigen Omas und Opas mit schmalerem Geldbeutel die Möglichkeit gegeben wird, etwas mit ihren Enkeln zu unternehmen. Ansonsten genießt Herzog aber das Gefühl, sich nicht mehr beeilen zu müssen; sie ist eine der wenigen, die an der Supermarktkasse zu Leuten, die gerade nur Mittagspause haben, sagt: »Gehen Sie ruhig vor, ich habe Zeit, ich bin Rentnerin.«

5p schultzMusiker bleibt man – Ernst Schultz, 71 Jahre, Musiker

Einer der wichtigsten Termine im Kalender von Ernst Schultz ist alljährlich das Nürnberger Bardentreffen. »Das ist ein toller Pool,  es gibt dort immer unheimlich viel Neues und natürlich treten wir mit der ›Wundertüte‹ auch selbst auf«, sagt er. Gespielt werden die »Good old songs« aus den Jahren 1958 bis 1978 – »weil danach nichts großartig Bemerkenswertes« mehr kam, wie er findet. Rund 30 Auftritte, überwiegend in den Sommermonaten, machen sein Musikerleben heute aus. Musiker, das bleibt man immer, sagt Schultz. So wie sein Vorbild Bob Dylan, der heute mit 74 Jahren und arthritischen Fingern eben nicht mehr Gitarre spiele, sondern aufs Keyboard umgestiegen sei. Schultz, Gründer der Band »Ihre Kinder«, hat als einer der ganz Wenigen die offizielle Erlaubnis bekommen, Dylans Songs einzudeutschen und zu veröffentlichen. Wenn doch einmal so etwas wie Rente ansteht oder einfach mehr Muße bleibt, will Schultz noch ein paar eigene Texte schreiben oder mit den vielleicht 20 noch unveröffentlichten Songs von »Ihre Kinder« weiterarbeiten. Regelrechte andere Hobbys hat aber auch ein Musiker: Fotografieren und Fahrradfahren. Daneben arbeitet er auch immer noch in seinem »Hauptbrotberuf«,  der Grafik, macht aber »nur noch die schönen Aufträge«.

 

Alexandra Buba; Fotos: Mile Cindric (3), privat (2)