Die Religiosiät Älterer ist vielfältig(er). Foto: epd

Die Ergebnisse der Studie in Kürze, die auf dem Symposium „Mit dem Alter kommt der Psalter. Zur Religiosität 66 plus“ am 5. und 6. März 2012 in Nürnberg vorgestellt wurden:
Bei der Generation 66 plus gibt es weder „den Glauben“ oder „die kirchliche Haltung“. Diese Generation ist so vielschichtig wie ihr Glaube und die Erwartungen an die Kirche. Menschen im Alter sind nicht von vornherein „fromm“ oder kirchlich. Vielmehr zeigt sich eine multiple Persönlichkeit, vielgestaltig in den Interessen, dem Glauben und den Erwartungen an die Kirche. Unabhängigkeit, Individualität und Selbstbestimmung genießen hohe Beliebtheit.

Vielzahl an Lebensentwürfen – zufrieden, zuversichtlich, stolz

So entstanden zahlreiche Eindrücke über das Leben und den Glauben der Generation 66 plus, ihres Lebensgefühls, ihrer Hoffnungen und Perspektiven, aber auch ihrer Wünsche und Erwartungen. All dies lässt deutlich werden, dass es die Generation 66 plus offensichtlich nicht gibt. Sowohl die Selbst- als auch die Fremdeinschätzungen stimmen lediglich darin überein, dass eine Vielzahl an unterschiedlichen Lebensentwürfen in dieser Generation existiert, allerdings räumen beide Seiten ein, dass ältere Menschen heutzutage tatsächlich gesünder sind, selbstbewusster und jugendlicher auftreten und oftmals die Möglichkeit haben, eigene Pläne zu verwirklichen. Die Spannbreite reicht dabei von finanziell gut ausgestatteten, reisefreudigen Menschen 66 plus, die moderne Medien nutzen und sich gesellschaftlich engagieren, bis hin zu Menschen, die schwierigen Lebensumständen gegenüber stehen und von Altersarmut und Einsamkeit betroffen sind. Das Gros der Befragten der Generation 66 plus beschreibt sich jedoch als zufrieden und zuversichtlich, wobei zwischen den Zeilen ein gewisser Stolz, auf die im Leben bereits erreichten Dinge, nicht zu überlesen ist.

Engagiert in Kirche und Vereinen – Kultur, Umweltschutz, soziale Themen und Politik

Auf die Frage, in welchen Bereichen sich die Generation 66 plus besonders engagiert, lautete die einstimmige Antwort aller Befragten: in der Kirche und im Verein. Bei näherem Hinsehen stellte sich allerdings heraus, das lediglich 55% der Befragten aus der Generation 66 plus sich in einem Verein sahen, während 70% der Befragten aus anderen Generationen sie dort vermuteten. Darüber hinaus wurde deutlich, dass Die Befragten 66 plus kulturellem Engagement eine ebenso große Bedeutung wie der Beteiligung am Vereinsleben beimessen, dicht gefolgt von aktivem Einbringen in den Umweltschutz und in soziale Problemfelder, mit 50% und schließlich mit 40% in politische Belange. Bezogen auf die Kirchengemeinde, stimmten Selbst- und Fremdeinschätzung mit im Schnitt 33% darin überein, dass der Seniorenarbeit eine tragende Rolle zukommt als einem Ort der Betätigung und Begegnung. Während die Generation 66 plus mit 65% am häufigsten in Ehrenämtern – wie Besuchsdienst, Gemeindebrief austragen, bei Gemeindefesten helfen, kleinere Reparaturen übernehmen –  erlebt wird, sieht sie sich selbst dort nur zu 29%, neben Bereichen wie der Übernahme von Ämtern, beispielsweise Kirchenvorstand, Lektorendienst, Kirchenpfleger – zu 23% und musikalischer Betätigung, wie Posaunenchor oder Chor, zu 26%.

Wunsch nach generationenübergreifender Gemeinschaft und selbstkritischer Kirche

Die Frage nach Wünschen an die Kirche macht deutlich, in welchem Lebenszusammenhang das Engagement in der Kirchengemeinde für die Generation 66 plus stehen kann: Es wurde mehrheitlich der Wunsch geäußert, ein aktiver Bestandteil des Gemeindelebens sein zu können, Gemeinschaft in generationenübergreifenden Angeboten ebenso erfahren zu können, wie Halt und Geborgenheit und darüber hinaus Seelsorge und Antworten auf Sinnfragen zu erhalten. Insgesamt wünscht sich die Mehrheit der Befragten eine offene, selbstkritische Kirche, die dem Leben Rechnung trägt.

 Methoden der Untersuchung:

Auf unterschiedliche Herangehensweise entstanden so 63 Selbstbeschreibungen der Genereation 66 plus sowie 72 Fremdeindrücke dieser Genration. 18 Menschen über 66 waren bereit, sich in der Nürnberger Fußgängerzone interviewen zu lassen, 45 nahmen die Möglichkeit wahr, sich zum selben Thema an einer Umfrage zu beteiligen, die zusammen mit dem Gemeindebrief einer Stadt-, einer Land- und einer Diasporagemeinde – München, Barthelmesaurach, Füssen – verteilt wurde. Daneben gaben in dieser Umfrage auch 32 Jüngere und Ältere ihre Einschätzung zu Glauben und Lebensweise der Generation 66 plus ab.
Einen großen Beitrag zur Fremdwahrnehmung von Menschen über 66 lieferten 34 persönliche Gespräche mit Verantwortlichen unterschiedlichster kirchlicher Institutionen. Von Kirchengemeinden über Dekanate bis zum Landeskirchenamt, von Einrichtungen der Erwachsenenbildung und Diakonie über Missionswerk, Gottesdienstinstitut, Amt für Gemeindedienst, Religionspädagogisches Zentrum bis hin zu Sonderbeauftragten und Vertretern der Landessynode waren Menschen in führender Position bereit, ihre Eindrücke von Begegnungen mit Menschen der Generation 66 plus in ihrem Arbeitsumfeld, aber auch im privaten Bereich zu schildern.
Eine ausführliche Beschreibung der Studie und Darstellung der Ergebnisse erscheint Ende April 2012 in der Zeitschrift für Gerontologie und Ethik, deren erste Ausgabe 2012 als Tagungsband das Symposium „Mit dem Alter kommt der Psalter? – Ein Symposium zur Religiosität 66 plus“ dokumentieren wird. Sie ist für 11,50 € (inkl. Porto und Versand) über das Institut für Gerontologie und Ethik zu beziehen:
Die Ergebnisse der Studie in Kürze, die auf dem Symposium „Mit dem Alter kommt der Psalter. Zur Religiosität 66 plus“ am 5. und 6. März 2012 in Nürnberg vorgestellt wurde
Eine ausführliche Beschreibung der Studie und Darstellung der Ergebnisse erscheint Ende April 2012 in der Zeitschrift für Gerontologie und Ethik, deren erste Ausgabe 2012 als Tagungsband das Symposium „Mit dem Alter kommt der Psalter? – Ein Symposium zur Religiosität 66 plus“ dokumentieren wird. Sie ist für 11,50 € (inkl. Porto und Versand) über das Institut für Gerontologie und Ethik zu beziehen: info@i-ge.de
Über die Evangelische Hochschule Nürnberg
Die Evangelische Hochschule Nürnberg ist ein überregional anerkannte Hochschule für sozialpädagogische, gesundheitlich-pflegeorientierte und religionspädagogische Berufe in Gesellschaft, Diakonie und Kirche. Sie orientiert sich an einem Bildungsbegriff für den das christliche Menschenbild eine zentrale Grundlage darstellt. Neben der wissenschaftlichen Fundierung von Lehre, Forschung, Fort- und Weiterbildung werden deshalb zusätzliche Themen spiritueller, persönlichkeitsbildender und allgemeinbildender Art angeboten. Studierende werden ergänzend zur beruflichen und wissenschaftlichen Qualifikation zu einer kritischen Reflexion der eigenen Person und ethischer Fragen in Beruf und Gesellschaft angeregt. Die überschaubare Größe mit rund 1.200 Studierenden und kleine Lerngruppen ermöglichen ein persönliches Miteinander von Lehrenden und Studierenden. Als staatlich anerkannte Hochschule der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern kooperiert sie mit angesehenen Einrichtungen der Praxis und anderen Hochschulen im In- und Ausland.
 
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