Sie waren in den 50-er, 60-er und 70-er Jahren der letzte Schrei, heute liegen sie unbeachtet in Schränken, Schüben, Kellern oder auf Dachböden: Dinge, die einmal richtig »schick« waren. Manches davon hat die Jahre unbeschadet überdauert und erregt plötzlich wieder Aufmerksamkeit. Oder ist sogar wieder im Handel zu haben.

Lilli Provaznik und ihr Bowle-Set. Foto: Michael Matejka

Lilli Provaznik hat in ihrer schmucken Wohnung in Lauf noch eines stehen. Es sieht so ähnlich aus wie das, was Millionen Zuschauer erstaunt betrachten, wenn sie die Sprüche des frotzelnden Franken »Erwin Pelzig« im Fernsehen verfolgen: das Bowle-Set. Die Gäste, die sich Pelzig in seine Sendung einlädt, werden mit einem Schöpfer gelber, giftgrüner oder sogar orangefarbener Bowle verköstigt, kein Mensch erfährt je, was der Gastgeber da wirklich hineingemischt hat. Lilli Provaznik jedoch weiß noch genau, was sie ihren Besuchern, Freunden oder Bekannten vor Jahren zur Sommerzeit auf dem Balkon im großen »Pott«, wie sie sagt, serviert hat. Prickelnde Erdbeerbowle zum Beispiel. Das Acryl-Glas-Service der Lauferin ist rund 50 Jahre alt und war in den 60-er und 70-er Jahren richtig »in«. Anfangs habe man sich nicht immer Sekt und Wein als Grund-Zutat leisten können, erzählt die freundliche Dame. Da habe man eben frische Erdbeeren oder auch Pfirsiche in Limo schwimmen lassen und später mit Mineralwasser aufgegossen. In den Wirtschaftswunderjahren dann griff man gerne zu Alkohol, und die Früchte, die darin baden sollten, wurden exotischer. Ananas kam in Mode. Das Fruchtfleisch wurde mit einer Flasche leichten Weins angesetzt, nach ein paar Stunden mit einer weiteren Flasche dieser Sorte und einer Flasche Sekt vermengt, fertig war die Köstlichkeit. Auch an Silvester war Bowle ein beliebtes Getränk. Freilich, die Früchtchen hatten es in sich, wer davon zu viel genoss, bekam den Jahreswechsel mitunter nicht mehr so recht mit.
Elke Grasser-Reitzner

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