Die »schwebende Trocknung« wurde allerdings erst dann installiert, wenn mein Vater das Haus verlassen hatte. Und sie inspirierte uns zu allerlei Schabernack, denn bei dem Getöse, das der Haartrockner entfachte, konnte Mutter kaum ein Wort verstehen… Zunächst wurde der weiche, in lockeren Abständen leicht gesteppte und noch kraftlos in sich zusammengefallene Kunststoffschlauch an seinem schmalen Ende mit einem dicken, reißfesten Gummiband um den Fön gewickelt. Die andere Seite wurde über den Lockenwicklern mit einem Zugband festgezurrt. Auf Knopfdruck plusterte sich die gesamte Konstruktion durch den Luftstrom zu einer gewaltigen Kopfbedeckung auf, die surrte und gurrte, immer wieder zuckelte und ruckelte, dass es uns eine wahre Freude war. Wenn sie den Fön unter den Arm klemmte, konnte sich Mutter sogar ein Stück in der Wohnung hin und her bewegen, zumindest solange das Kabel reichte. Doch das sollte bald ein Ende haben, als Mutter einmal mitsamt der Trockenhaube vom Stuhl aufgestanden war, um einen Topf vom Herd zu nehmen. Meine Schwester hatte das nicht bemerkt und war furchtbar über das Kabel gestolpert, was wiederum meine Mutter wegen des Gebläselärms nicht gleich mitbekam. Von nun an war bei uns die Wanderschaft während des Haaretrocknens verpönt. Das »schwebende Verfahren« wurde nur noch im Sitzen durchgeführt.
Foto: Michael Matejka