Nach der Zeitumstellung kämpfen viele Menschen lange mit einer bleiernen Müdigkeit. Foto: Luisella Planeta Leoni/Pixabay

Am Sonntag, den 25. Oktober, ist es wieder soweit: Knapp ein Drittel der Menschen leidet nach der Zeitumstellung an körperlichen oder psychischen Problemen. Das zeigt eine repräsentative Umfrage der Krankenkasse DAK-Gesundheit. Damit bleibt der Wert mit 29 Prozent auf dem Höchststand der vergangenen Jahre. Über drei Viertel sind der Meinung, die Zeitumstellung sei überflüssig und sollte abgeschafft werden. Am Sonntag werden nachts die Uhren von drei auf zwei Uhr zurückgestellt. Ab dann gilt in allen Ländern Europas wieder die Winter- beziehungsweise Normalzeit.

Mehr als drei Viertel der Befragten, die schon einmal Probleme nach der Zeitumstellung hatten, fühlen sich dabei schlapp und müde (76 Prozent). An zweiter Stelle der Beschwerden stehen mit 59 Prozent Einschlafprobleme und Schlafstörungen, unter denen Frauen mit 64 Prozent besonders häufig leiden. 37 Prozent können sich nach der Zeitumstellung schlechter konzentrieren, mehr als ein Viertel fühlt sich gereizt. Jeder Zehnte leidet gar unter depressiven Verstimmungen. Hierbei sind Frauen mit 11 Prozent häufiger betroffen als Männer (9 Prozent). Insgesamt 15 Prozent aller Erwerbstätigen kam nach der Zeitumstellung schon einmal zu spät zur Arbeit.

Die innere Uhr kommt durcheinander

Franziska Kath, Diplom-Psychologin der DAK-Gesundheit, erklärt: „Psychische Probleme kommen nach der Zeitumstellung häufig vor. Wer schon einmal mehrere Nächte hintereinander mit wenig Schlaf auskommen musste, kennt das Problem: Die innere Uhr kommt durcheinander. Die beste Medizin ist dabei die Zeit selbst: Nach ein paar ruhigen Tagen und genügend Schlaf hat sich der Körper wieder richtig eingestellt. Wer es nach dem Dreh an der Uhr also erst einmal ruhiger angehen lässt, ist auf der sicheren Seite.“

Dr. Dora Triché       Foto: Rudi Ott/Klinikum Nürnberg

Die gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Zeitumstellung vergleichen Fachleute mit einem Mini-Jetlag. Dr. med. Dora Triché, Oberärztin in der Klinik für Innere Medizin 3, Schwerpunkt Pneumologie im Klinikum Nürnberg, schildert sechs Fakten zur Zeitumstellung.

Fakt 1: Jede Zeitverschiebung stört die innere Uhr

Durch die Zeitverschiebung verändern sich soziale und äußere Zeitgeber wie das Licht. An diese Veränderungen muss sich der Organismus zunächst anpassen. Dies kann vorübergehende Befindlichkeitsstörungen wie Kopfschmerzen oder Stimmungsschwankungen hervorrufen.

Fakt 2: Zeitumstellung im Herbst fällt den meisten Menschen leichter

Im Herbst stellen wir die Uhr eine Stunde zurück, das heißt, wir „gewinnen“ eine Stunde Schlaf. Für uns Menschen ist es einfacher, später als gewohnt schlafen zu gehen als umgekehrt. Die Erklärung hierfür ist, dass bei den meisten Menschen die innere Uhr einen etwas längeren Rhythmus hat als der 24-Stunden-Tag.

Fakt 3: Bei manchen Menschen dauert die Umgewöhnung länger

An der Zeitumstellung im Herbst leiden besonders die Frühaufsteher (Lerchen). Es widerspricht ihrem natürlichen Rhythmus, dass sie nun eine Stunde später aufstehen und ins Bett gehen sollen. Auch Menschen mit einer Ein- und Durchschlafstörung, einer sogenannten Insomnie, sind von der Umstellung stärker betroffen. Der „Mini-Jetlag“, der durch die Zeitverschiebung entsteht, stört ihren Schlafrhythmus. Schließlich brauchen Eltern von kleinen Kindern eventuell etwas länger, um den Schlafrhythmus der Kleinen wiederherzustellen.

Fakt 4: Richtiges Verhalten unterstützt den Körper bei der Anpassung

Um dem Organismus die Umstellung zu erleichtern, kann man bereits einige Seite 1 von 2 Tage vorher damit anfangen, jeden Abend ein wenig später ins Bett zu gehen. So kann der Körper sich langsam an die neue Zeit gewöhnen und die Anpassung fällt nicht so schwer. Zudem können wir unsere Schlafqualität, gerade in der Umstellungsphase, durch körperliche Bewegung am Tag und den Verzicht auf schwere Mahlzeiten und Alkohol vor dem Zubettgehen fördern.

Fakt 5: Schlafmediziner plädieren für eine dauerhafte Winterzeit

Die Winterzeit harmoniert besser mit der inneren Uhr. Während der Sommerzeit wird unser körpereigenes Melatonin, ein Hormon, welches das Einschlafen fördert, durch die lange Helligkeit sehr spät ausgeschüttet. Das hat zur Folge, dass wir erst spät einschlafen. Aufgrund der Arbeitszeiten müssen wir trotzdem früh aufstehen, die Folge ist ein dauerhafter Schlafmangel.

Fakt 6: Schwerwiegende gesundheitliche Folgen entstehen eher durch chronischen Schlafmangel

Bei den meisten Menschen äußert sich die Umstellung auf die Winterzeit nur durch vorübergehende Befindlichkeitsstörungen, einer kurzfristig geringeren Leistungsfähigkeit und erhöhten Schläfrigkeit. Letzteres führt allerdings zu einem erhöhten Risiko für schwere Verkehrsunfälle. Schwerwiegender ist allerdings ein chronischer Schlafmangel, der Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen und andere Herz-Kreislauferkrankungen begünstigt. Wer wenig schläft, isst mehr und fettreicher und hat ein erhöhtes Risiko zuzunehmen.

Weitere Informationen zum Zentrum für Schlafmedizin im Klinikum Nürnberg finden Sie hier. Auch auf www.dak.de/schlaf gibt es Wissenswertes rund um das Thema gesunder Schlaf sowie ein Schlaftagebuch. Betroffene können damit ihren Schlaf-Wach-Rhythmus genau protokollieren. Das ist eine Grundlage, um Beschwerden einordnen zu können.

Fotos: Rudi Ott und Luisella Planeta Leoni/Pixabay