Dienstleister mit Anspruch: Bernward Finck hat das Senioren-Taxi auf den Weg gebracht. Foto: Mile Cindric

Bernward Finck ist Taxifahrer mit Leib und Seele, seit 30 Jahren im Geschäft, als einer, dem »das Taxi ans Herz gewachsen ist«, wie er selbst sagt. Dabei meint er nicht nur sein Fahrzeug, sondern das ganze Drumherum: die Nähe zu den Fahrgästen, die interessanten Gespräche, die Situationen, in denen es »extrem menschelt« – im positiven Sinn, aber auch, wenn es schon mal unangenehm wird.

Taxifahrer wie Bernward Finck sind mehr als bloße Dienstleister. Solche Taxler verstehen sich auch als gute Zuhörer oder sogar als versierte Helfer in mancherlei Lebenslagen. Ein Beispiel für diese Einstellung sind die seit gut drei Jahren in Nürnberg und seit über einem Jahr in Erlangen einge- setzten Senioren-Taxis. Wer ein solches bestellt, kann zusätzliche Dienste in Anspruch nehmen, die über die eigentliche Fahrt hinausgehen. Die Fahrer begleiten ihre Fahr- gäste von der Wohnungstür zum Auto oder vom Auto in eine Arztpraxis. Einkäufe unterwegs oder kleine Gefälligkeiten würden ebenfalls erledigt, versichert Bernward Finck. Extrakosten entstünden nicht; der Fahrgast zahle die Zeit, die der Fahrer im Einsatz ist, egal ob das Auto fährt oder steht: 24 Euro pro Stunde, so Finck.

Finck ist einer von drei Vorsitzenden der Taxi-Genossenschaft Erlangen, die das Senioren-Taxi an den Start gebracht hat. Zunächst erhielten die Chauffeure eine Schulung im Umgang mit älteren Fahrgästen und deren Bedürfnissen. Eine Expertin zeigte im Erlanger Verein Dreycedern, mit welchen Hilfsgriffen man ältere Menschen beim Ein- und Aussteigen und beim Erklimmen von Treppen unterstützen kann. Künftig sollen die Erlanger Taxifahrer gemeinsam mit ihren Nürnberger Kollegen von einem professionellen Behinderten-Fahrdienst geschult werden. Die Fahrer kostet das nichts, vielmehr zahlt die Genossenschaft die Lehrgänge.

Feste Abmachungen

Bei Menschen mit Demenz sind es oft die Angehörigen, die das Seniorentaxi bestellen und bezahlen. Manche Familien haben mit der Taxi-Zentrale aufgrund der guten Erfahrungen feste Abmachungen getroffen. Das gibt auch dem Taxi-Unternehmer Sicherheit. »Es ist schon vorgekommen, dass ein Senior einen Wagen bestellt, obwohl er ihn gar nicht braucht«, weiß Finck, »oder dass er vier Mal ein Taxi bestellt, weil er vergessen hat, dass er schon angerufen hatte.« Der gesamte Service ist übrigens an keine Altersgrenze gebunden. Wer, etwa nach einer Operation, nicht sel- ber Auto fahren darf, kann ebenfalls das Senioren-Taxi bestellen.

Es hat einige Zeit gedauert, bis sich die neue Idee durchgesetzt hat. Auf Seiten der Fahrer herrschte anfangs Skepsis, weil sie nicht wussten, was alles auf sie zukommt. »Manche meinten, sie müssten auch Umzüge machen«, sagt Finck. Auch die potenziellen Kunden reagierten zurückhaltend. Der eingefleischte Erlanger Taxi-Unternehmer will sich darüber aber nicht beklagen. Inzwischen hat sich alles gut eingependelt: »Da merkt man doch, dass unsere Fahrerinnen und Fahrer insgesamt mit Senioren gut umgehen können.«

Herbert Fuehr