Cindy ist ein Stargast auf der inviva 2018, auf den wir uns freuen dürfen. Foto: PR

Cindy & Bert – das waren Norbert »Bert« Maria Berger und Jutta Gusenberger, beide in Völklingen im Saarland geboren. Sie standen nicht nur auf der Bühne als Traumpaar, sondern waren auch privat verbunden. Das Paar avancierte zum beliebtesten deutschen Schlagerduo der 70-er Jahre. Als ihre Ehe jedoch Ende der 80-er Jahre zerbrach, startete Cindy als »Cindy Berger« eine Solokarriere. Jetzt gastiert die 70-jährige Schlagersängerin bei der zweitägigen Seniorenmesse inviva 2018 im Nürnberger Messezentrum. Das Magazin sechs+sechzig sprach in einem Telefoninterview mit der Künstlerin über Jugend, Erfolge und Schicksalsschläge.

sechs+sechzig: Frau Berger, waren Sie schon einmal in Nürnberg?
Cindy Berger: Ja, sehr oft. Ich habe Nürnberg in guter Erinnerung. Bert und ich gastierten oft in der Meistersingerhalle vor einem begeisterten Publikum.

Erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Auftritt überhaupt?
Anfang der 60-er Jahre lernte ich Bert in einem Tanzcafé in Völklingen kennen. Dort spielte er als E-Bassist in der Schüler-Amateurband »Blue Birds«, für die eine Sängerin gesucht wurde. Nachdem er mich dazu überreden konnte mitzumachen, hieß die Band dann »Jutta und das Quintett Royal«. Beim ersten Auftritt unserer Gruppe hatten wir fünf Songs im Repertoire. Eines der Lieder war von Siw Malmkvist mit dem Titel »Das fünfte Rad am Wagen will ich bei Dir nicht sein«. Am Ende des Abends meinte der Caféhausbesitzer geringschätzig zu mir: »Aha, Sie sind also das fünfte Rad am Wagen…« Das ärgerte mich sehr, stachelte aber meinen Ehrgeiz gewaltig an.

Und von da an ging es bergauf…?
Von 1965 an waren wir als Cindy & Bert unterwegs, 1967 war unsere Hochzeit. 1969 erschien die erste Schallplatte (»Saturday Morning«). Als jedoch die Auftritte immer erfolgreicher wurden, gaben wir 1971 unsere Berufe auf, um nur noch im Showgeschäft tätig zu sein. In Deutschland erreichten wir in den siebziger und achtziger Jahren mit Hits wie »Immer wieder sonntags«, »Spaniens Gitarren« und »Wenn die Rosen erblühen in Malaga« große Erfolge und viele Preise.

Nach der Scheidung 1987/88 ging jeder von Ihnen neue Wege. War es nicht schwierig, plötzlich allein auf der Bühne zu stehen?
Dass ich fortan als Solistin auftrat, ging ziemlich schnell. Ich hatte nicht viel Zeit zum Überlegen. Denn ich meldete mich 1988 für die Grand-Prix-Vorentscheidung an und erreichte mit dem Titel »Und leben will ich auch« einen hervorragenden zweiten Platz. In der TV-Sendung »Die deutsche Schlagerparade« qualifizierte ich mich für den ersten Platz, und Moderator Dieter-Thomas Heck verlieh mir die »Goldene Stimmgabel«.

Heck brachte das Duo Cindy & Bert bei der Super-Hitparade 1995 wieder auf die Bühne. War das einfach für Sie?
Dass wir ein traumhaftes Comeback feierten, hatten wir nicht erwartet. Das Publikum empfing uns begeistert, und die Medien rissen sich um uns. Da stellten wir unsere persönlichen Probleme zurück, aus meiner Liebe zu Bert wurde Freundschaft. Leider verstarb er 2012 an den Folgen einer Lungenentzündung, er hat für immer einen Platz in meinem Herzen.

Hören Sie außer Schlagern auch andere
Musik?
Ich höre jede Art von Musik, wenn sie gut gemacht ist. Als Saarländerin habe ich auch französische Wurzeln und so liegt es nahe, dass mir auch Chansons gefallen. Bisher veröffentlichte ich die Solo-Alben »Herz unter Strom« (1989), »Zeitlos« (2007), »Von Zeit zu Zeit« (2008) und »Mindestens haltbar bis…« (2013). Mit dem vierten Album ging ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung, denn Text und Musik stammen von meinem Sohn Sascha. Seine frische und zeitgemäße Art der Komposition bedeutet eine neue Herausforderung für mich.

Wie kommen Sie mit dem Älterwerden zurecht?
Bisher ganz gut. Aber die sieben vor der Null bereitet mir schon Kopfzerbrechen. Am liebsten wäre es mir, ich bliebe zehn Jahre noch 69 und wäre dann mit einem Schlag 80.

Wie oft treten Sie noch auf?
Die großen Auftritte habe ich hinter mir, jetzt will ich gar nicht mehr so viel machen. Vielleicht zwei bis drei Auftritte pro Monat. Und das möglichst in kleinen Theatern in Berlin, wo ich nach dem Wegzug von Zweibrücken ein neues Zuhause gefunden habe. Das Leben in der Bundeshauptstadt gefällt mir auch deshalb, weil sich hier jeden Dienstagabend viele Künstler beim Stammtisch treffen. Darunter sind viele Schauspieler und Artisten, aber auch Sängerinnen wie Mary Roos, Ireen Sheer und Tina York.

Wohin würden Sie am liebsten reisen?
Oh, ich habe die ganze Welt gesehen, war oft auf Kreuzfahrtschiffen unterwegs, ich will gar nicht mehr so viel wegfahren. Doch vermutlich werde ich Anfang 2018 nach Vietnam fliegen, um meinen Sohn Sascha zu besuchen, der in diesem Land bei einer deutschen Firma arbeitet. Aber vorher kommt mein Sohn nach Berlin, damit wir zusammen Weihnachten feiern, mein 14-jähriger Enkel ist auch dabei.

Sie haben viel erlebt, wollen Sie ein Buch
schreiben?
Momentan nicht, vielleicht später. Denn ich spiele mit dem Gedanken, in ein paar Jahren nach Vietnam zu meinem Sohn auszuwandern, sollte es mir in Berlin nicht mehr gefallen. In Asien, denke ich, könnte ich dann das Buch schreiben.

Interview: Horst Mayer; Foto: privat